Wie sich rechte Fußballfans in England organisieren

Mieses Vorbild HoGeSa

Seit vergangenem Juni gibt die »Football Lads Alliance« das britische Pendant zu »HoGeSa«. Eine Demo am Samstag deckte den Rassismus und die Zerstrittenheit der Gruppe auf.

imago

Erinnert ihr euch noch an die »Hooligans gegen Salafisten« (HoGeSa)? Ja, richtig, diese Truppe dummdeutscher Alt-Hools, die sich 2014 kurzzeitig anschickte zur Massenbewegung gegen eine als solche ausgemachte Islamisierung Deutschlands zu werden — und nach kurzfristigem Höhenflug wenig später wieder fast vollständig von der Bildfläche verschwunden war.

Vor vier Jahren entstand das Netzwerk in einem Internet-Forum, in dem sich islamfeindliche Hooligans zu möglichen Aktionsformen austauschten. Seit Beginn an mit dabei: Extrem Rechte aller Couleur, beispielsweise der Dortmunder Neonazi-Kader Siegfried »SS-Siggi« Borchardt oder NPD-Politiker Christian Hehl aus Ludwigshafen. Seinen Höhepunkt erlebte HoGeSa im Oktober 2014, als sich rund 4.000 ihrer Anhänger während einer ausufernden Demonstration gewalttätig in der Kölner Innenstadt austobten. Doch weitere Aufmarschversuche floppten weitgehend und andere Vereinigungen wie das »Bündnis Deutscher Hooligans« oder »Gemeinsam Stark Deutschland« spalteten sich ab, sodass HoGeSa heute vor allem nur noch als feuchte Erinnerung rechter Stadion-Hauer obwaltet.

Britische Machart(en)

Mit bemerkenswerten Parallelen erlebt allerdings die englische Gesellschaft derzeit ein ähnliches Phänomen. Wenn man so will, gibt es bereits seit 2009 eine HoGeSa der britischen Machart. Seitdem existiert auf der Insel die »English Defence League« (EDL), ebenfalls eine islamfeindliche, im Hooligan-Milieu entstandene Gruppe. Aber die besteht mittlerweile zum Großteil nur noch aus sozial und politisch abgehängten Neonazi-Grüppchen.

Bedeutender nimmt sich gegenwärtig die »Football Lads Alliance« (FLA) aus. Die wirkt wie eine runderneuerte, etwas gemäßigtere EDL. Die Gemeinsamkeiten von EDL, HoGeSa und FLA sind trotzdem geradezu absurd augenscheinlich. Auch die FLA entstammt der Szene der Fußballanhänger — sie trägt ihre Herkunft (und ihre Zielgruppe) ja bereits im Namen.

Gründer und zentrale Figur der »Football Lads« ist John Meighan, ein Fan von Tottenham Hotspur. Er bekam 2006 wegen einer Massenprügelei beim Fußball ein dreijähriges Stadionverbot. Nun führt ausgerechnet er eine Gruppe an, die Sittenverfall und Kriminalität in Großbritannien beklagt.

Feindbild Islam

Vor allem aber richtet sich die FLA ihrer Selbstdarstellung zufolge gegen Extremismus und Terrorismus. Als extremistisch und terroristisch gelten ihren Anhängern aber nur selten rechts motivierte Attentate, bei denen allein im letzten Jahr mehrere Menschen in England starben. Stattdessen richtet sich die Ablehnung einigermaßen pauschal gegen (insbesondere muslimische) Migranten.

Der Islam ist das Feindbild schlechthin für die FLA. Immer wieder fallen Sympathisanten durch hetzerische Aussagen gegenüber Muslimen auf. FLA-Chef Meighan selbst postete im Dezember ein Foto seiner selbst mit Koran und der Bildunterschrift »Happy Christmas you filthy animals« (»Frohe Weihnachten, ihr dreckigen Tiere«).

Mehr zu: England, International, Rassismus, Rechtsextremismus, Hools, Hooliganismus, Hooligans, Fans, Neonazis, Protest

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!