Wie sich Hector Bellerin für eine bessere Welt einsetzt

Bellerin und homophobe Beleidigungen

Zu Saisonbeginn hatte es Hector Bellerin besonders schwer, mit seinen Botschaften durchzudringen. »Der Typ sollte sich lieber um sein Stellungsspiel kümmern als Stellung zu sämtlichen Problemen der Erde zu beziehen«, schimpften Arsenals Fans, wenn ihr Außenverteidiger mal wieder zum Boykott von Kunststoffverpackungen oder zur Drosselung des Fleischkonsums aufrief. Die »Gunners« hatten einen Katastrophen-Start mit zwei Niederlagen in den ersten beiden Ligapartien hingelegt (1:2 gegen ManCity und 2:3 in Chelsea) – und Bellerin war daran nicht ganz schuldlos. Niemand in seiner digitalen Gefolgschaft wollte nun von diesem »veganen Loser« über die Bedürfnisse der Umwelt belehrt werden.

Homophobe Beleidigungen

Inzwischen läuft es besser. Arsenal liegt nach sechs Siegen in Serie auf einem Champions-League-Platz, und Bellerin hat seine rechte Seite zusehends in den Griff bekommen. Shitstorms, Hass und Hohn erntet er nur noch von Anhängern anderer Klubs – insbesondere für seine Statements gegen Homophobie: »Einige Fans verhalten sich sehr verletzend«, erzählte der 23-Jährige kürzlich in einem Interview mit der »London Times«. »Sie nennen mich ,Lesbe', weil ich lange Haare habe. Und dann machen sie mit anderen homophoben Beleidigungen weiter. Vor eineinhalb Jahren musste ich meine Social-Media-Profile vorübergehend abschalten. Viele Menschen schreiben auch nette Dinge, aber es ist normal, dass die Beleidigungen mehr ins Auge fallen. Ich versuche mit jedem Tag, diese Situation so gut wie möglich zu meistern.«

Natürlich ist Hector Bellerin, der einen betont metrosexuellen Kleidungsstil pflegt, keine Lesbe. Er ist auch nicht schwul, sondern seit Jahren mit seiner Freundin Berta liiert. Dennoch treibt ihn die beklemmende Situation seiner homosexuellen Berufskollegen um: »Es ist unmöglich, dass jemand im Fußball vollkommen offen mit seiner Homosexualität umgeht. Einige Fans sind nicht bereit dafür«, findet der zehnmalige spanische Nationalspieler. Das Problem sei, »dass die Leute ein bestimmtes Bild haben, wie ein Fußballer auszusehen, sich zu verhalten und worüber er zu sprechen hat«. Im Rugby habe man das Coming-out des walisischen Profis Gareth Thomas »respektiert«, aber in seinem Sport sei dies kaum vorstellbar, fürchtet Bellerin: »Im Fußball herrscht eine andere Kultur. Es kann sehr persönlich und sehr bösartig werden – gerade für Spieler der gegnerischen Teams.«

Wie Bellerin die Welt verändern will

Laut dem Arsenal-Star läuft jedoch nicht nur im Lager der Fans einiges schief, sondern auch im Fußball-Business selbst: »Ich habe das Gefühl, dass diese Industrie von uns erwartet, still zu sein und zu spielen.« Doch Bellerin will das nicht. Er will ein Influencer in gesellschaftlichen Fragen sein und weiter seine Meinung kundtun. Nach der Karriere will er sich aktiv in die Politik einmischen, denn er findet: »Es gibt so verdammt viel zu tun. Und wir haben nicht ewig Zeit.«