Wie sich falsche Transfergerüchte verselbstständigen

Malcom Mittendrin

Deadline Day, das ist der Tag der wilden Gerüchte und Paniktransfers. Und gibt es etwas Lustigeres als ausgedachte Transfers, die die Presse weiterverbreitet? Wahrscheinlich nicht. 

imago

In den letzten Jahren sind Transfernews und -Gerüchte so etwas wie das täglich Brot der Fußballfans geworden. In Deutschland schreibt eine eigens dafür gegründete Website eine erstaunliche Erfolgsgeschichte (Grüße an die Kollegen von transfermarkt.de), in England wird der »Deadline Day« mittlerweile gefeiert wie ein zweites Weihnachtsfest. Insbesonderen in den hektischen Transferphasen kann man da schon mal ins Schlingern kommen, was die Validität bestimmter Gerüchte und Quellen betrifft. 

Zumal es mit steigendem Medieninteresse eine Art Sport unter Fans geworden ist, im Netz Quatschnachrichten zu verbreiten. So etwa der angeblich kurz bevorstehende Transfer des kamerunischen Stürmer Yermas Dildo zum FC Reading, der bei genauerer Betrachtung ein kleiner, schmutziger Sexspielzeug-Gag ist. Das Newsportal »getreading.co.uk« verbreitete das Gerücht samt ausgedachter Statistiken dennoch weiter, auf Twitter überschlugen sich daraufhin die Fans mit Zoten: »Eine unheimliche Präsenz in der Box.« Ähnliches passierte beim FC Aberdeen, wo ein Fake-Account des Klubs via Twitter den türkischen Mittelfeldspieler Yerdäs Selzavön als Neuzugang präsentierte. Was Sky Sports sofort in den Newsticker aufnahm und übersah, dass damit »Your dad sells Avon« gemeint ist, eine gängige schottische Beleidigung, die den Vater des Beschimpften durch die scheußliche Behauptung herabwürdigt, er verdiene sein Geld mit Kosmetika. 

Malcoms kleiner Bruder Douwie?!

Nun ist das Transferfenster leider geschlossen, das heißt aber natürlich nicht, dass man die Medien mit geschickt gestreuten Halbwahrheiten nicht weiterhin auf den Arm nehmen könnte. Zumal dann, wenn diese Halbwahrheiten selbst aus der Presse kommen. So vermeldete das Satire-Portal »France Football« in einem – Achtung, Satire! – Beitrag, dass Girondins Bordeaux den kleinen Bruder seines Stürmers Malcom verpflichtet habe. Dessen Name: Douwie.

Bei Menschen, die in ihrer Jugend »Malcolm Mittendrin« geguckt haben, dürfte es nun klingeln: Ein relativ flacher Namenswitz war den Kollegen von »France Football« ein paar Zeilen wert. Dass es sich aber um einen Gag handelt, hätte auch dem letzten Leser spätestens bei Douwies Zitat zum Transfer aufgehen müssen: »Poupi poupi poupi pou«. 

An einem übereifrigen Reporter von »Canal+« war der Witz allerdings vorbeigegangen, weswegen er Malcom im Interview nach dem Spiel auf seinen Bruder ansprach. Der natürlich nichts davon wusste, was in einer unangenehmen Situation vor allem für den Reporter mündete. Immerhin, könnte man sagen, hat der Kollege mit seiner überstürzten Frage dafür gesorgt, dass der »Witz« schießlich doch noch witzig wurde. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf die nächste Transferperiode, wenn wir auf den Zug aufspringen und Spieler wie den amerikanischen Nachwuchsstürmer Ryan Schießen oder die bayrische Abwehrkante Gernhart Einsteigen bei diversen Bundesligaklubs ins Gespräch bringen.

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