Wie sich ein Viertligist-Boss mit der Premier League anlegt

Klassenkampf

Der Vorstand des englischen Vierligisten Accrington Stanley legt sich via Twitter mit der Premier League an. Er trifft den Nerv vieler Fans, die Liga reagiert mit Drohungen.

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Es muss sich verdammt viel bei Andy Holt, dem Vorsitzenden des englischen Viertligisten Accrington Stanley, angestaut haben, bis ihm am Dienstagmorgen gehörig der Kragen platzte. Wie durch neue »Football Leaks« bekannt wurde, soll der Spielerberater Mino Raiola am Wechsel von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United  rund 49 Millionen Euro verdient haben. Mit der wahnsinnigen Ablösesumme von 105 Millionen Euro wurde Pogba im vergangenen Sommer zum teuersten Spieler aller Zeiten.

Da sitzt also der Vorsitzende eines englischen Viertligisten morgens am Frühstückstisch, liest die Zeitung und erfährt von diesem irrsinnig hohen Beraterhonorar. Hätte Holt noch Haare auf dem Kopf, er hätte sie sich vermutlich allesamt ausgerissen. Stattdessen tat er das, was wütende Männer momentan eben so tun, um ihren Ärger kundzutun: Er loggte sich bei Twitter ein.

Doch anstatt nur gegen den Spielerberater Mino Raiola zu wettern, was durchaus nachvollziehbar gewesen wäre, ging Holt in die Vollen: Er nahm sich die Premier League höchstpersönlich vor die Brust.

»Ihr zerstört das Spiel«

»Premier League, du solltest dich schämen. Deine Freigiebigkeit sollte den Ärger der Fans auf sich ziehen. Ihr zerstört das Spiel, nicht die ›schurkischen‹ Besitzer«, twitterte er um 09.33 Uhr.

Und vermutlich wäre diese Aussage in den Weiten des Vogelnests verschwunden, hätte Holt nicht sieben Minuten später nochmals nachgelegt: »Die EFL (English Football League) ist wie ein verhungernder Bauer, der um den Abfall von Eurem Tisch bettelt. Besitzer mögen die Klubs ruinieren, aber ihr zerstört das Spiel«. 

Was Holt so aufregte ist die Tatsache, dass die Premier League seit dem Abschluss des neuen TV-Vertrags 2015 noch mehr im Geld schwimmt. Allein für die Inlandsvermarktung erhält sie von 2016 bis 2019 beinahe sieben Milliarden Euro. Es ist diese immer größer werdende Blase, die es den schamlosen Spielerberatern ermöglicht, an den Transfers ein unvorstellbares Vermögen zu verdienen. Den unteren Profiligen zahlte die Premier League im letzten Jahr knapp 70 Millionen Pfund. Bei 72 Profivereinen und nach Liga gestaffelt, bleiben bei einem Viertligisten wie Accrington Stanley im Jahr 240.000 Pfund hängen.