Wie sich ein norwegischer Verein vor einem Poltergeist fürchtet

Professionelle Geisterjäger mussten helfen

Torjusen scheute sich zunächst, den Kolleginnen und Kollegen von seiner Horrornacht zu erzählen. Als er es dennoch tat, merkte er: Niemand wunderte sich. Fast alle hatten bereits Ähnliches durchlitten. Die Klubsekretärin berichtete von Regalen, die von der Wand abgerückt worden waren, während sie ihnen kurz den Rücken zugewandt hatte. Der Platzwart, einer dieser knorrigen norwegischen Naturburschen, wusste von völlig verbogenen Werkzeugen und anderen Merkwürdigkeiten zu erzählen. Und auch Klubfremde bekamen den Spuk zu spüren. Torjusen erinnert sich: »Im VIP-Bereich des Stadions fanden oft Hochzeitsfeiern statt. Dabei kam es vor, dass Gäste sich angstvoll fragten: Was in aller Welt geht hier vor?«

Irgendwann wurde auch die lokale Presse auf den unheimlichen Geisterzauber aufmerksam. Das »Fredrikstad Blad« berichtete 2010 erstmals über mysteriöse Vorkommnisse in der Geschäftsstelle: Schränke, die plötzlich umgefallen waren. Bilder, die von den Wänden verschwanden. Aufzüge, die sich mitten in der Nacht von allein in Bewegung setzten. Meistens ereignete sich der Spuk zwischen 23 Uhr am Abend und 5 Uhr früh.

Der Herrsteller beteuert: Das gab es noch nie

Und dann ist da noch dieses angegilbte Schwarz-Weiß-Foto, das bis heute im VIP-Raum hängt. Es wurde 1921 in einer alten Werkstatt in Fredrikstad aufgenommen und zeigt einen Mann mit Hut, der in einem riesigen Metallkessel sitzt. Angeblich verschwindet der Mann hin und wieder aus dem Foto – und kehrt wenig später wieder zurück, als sei nichts geschehen. Ist er der geheimnisvolle Vaerstekaellen? War er es, der eines Nachts im Jahr 2011 die alte mechanische Spielstands-Tafel im Stadion in zwei Teile brach und kurz darauf auch die neue zerstörte? Während eines Spiels gegen Sarpsborg brannte sich der angezeigte Spielstand (0:2) auf ewig in der elektronischen Anzeige fest. Der Hersteller beteuerte: so etwas sei noch nie vorgekommen. War es ein Zeichen?

Irgendwann hatte sich die Sache mit dem Spuk so weit herumgesprochen, dass niemand mehr zu Fredrikstad FK kommen wollte – keine Putzfrau, keine Sekretärin, kein Spieler. So ging es auch sportlich immer weiter bergab mit dem Verein. Der FFK, dessen letzter Meistertitel von 1961 datiert, rutschte in der aktuellen Saison bis auf den letzten Platz der zweiten norwegischen Liga ab.

Professionelle Geisterjäger mussten helfen

Dann, endlich, handelte der Vorstand – und ließ nach zahlreichen Bitten der Fans in der vergangenen Woche professionelle Geisterjäger ins Haus. Die werkelten mehrere Nächte lang mit schwerem Gerät und geheimnisvollen Gegenständen im Stadion, in der Geschäftsstelle, in den Kabinen und auf dem Trainingsplatz herum. Und seitdem ist Ruhe. Vorerst zumindest.

Auch sportlich zeigte die Aktion Wirkung: Fredrikstad gewann das folgende Zweitliga-Spiel mit 4:0, es war der erste Sieg überhaupt in dieser Saison. Kann das Zufall sein?