Wie sich ein HSV-Fan den Abstieg herbeisehnt

Ein Klub wie Oliver Pocher

2014 musste der HSV gegen Fürth das erste Mal in die Relegation. Ich saß während des Rückspiels in einer Flughafenbar vor einem Fernseher. Als Heiko Westermann in der Schlussphase im eigenen Fünfmeterraum über den Ball trat, zitterte ich am ganzen Körper, und der Kellner war drauf und dran, den Krankenwagen zu rufen. »Hätte nicht gedacht, dass mir das noch so nah geht«, schrieb ich in die Whatsapp-Gruppe.

Ein Jahr später die Relegation gegen den KSC. »Sollen sie absteigen, interessiert mich nicht«, schrieb ich diesmal. Aber war es mir egal? In der 91. Minute schrie ich den Namen von Marcelo Diaz über den Hinterhof, und ein Nachbar fragte vom Fenster aus: »Sind wir schon wieder Weltmeister?« Als Luca Waldschmidt den HSV vergangenen Mai vor der Relegation rettete, schrie ich nicht mehr. Ich ballte kurz die Faust, dann schaltete ich den Fernseher aus.

Liebe, Hoffnung, Lethargie

Ich habe diesem Klub fast alles verziehen. Aber irgendwann wurde aus Liebe Hoffnung, und aus Hoffnung Lethargie. Als Simon Terrode das 2:0 für Köln erzielt hatte, wünschte ich mir, der HSV würde direkt nach dem Abpfiff absteigen. Am besten direkt in die Regionalliga.

Nie zuvor wirkte der Verein so deplatziert. Verkrustet in alten Werten und antiquierten Strukturen. Ein Fossil aus einer anderen Zeit, ohne Perspektive, ohne Zukunft. Ein Klub wie Oliver Pocher, überholt und bemitleidenswert, im Schatten einer modernen, jungen und smarten TV-Show-Generation, mit Pointen, die schon in den Neunzigern nicht mehr lustig waren.

Ob ich rückfällig werde? Sicher werde ich das erst am letzten Spieltag wissen, wenn Fiete Arp alleine auf das gegnerische Tor zuläuft und den HSV zumindest für ein weiteres Jahr aus der Scheiße holen kann.

Bis dahin: Take it easy, altes Haus.