Wie sich die Proteste in Frankreich auf den Fußball auswirken

Die Rolle der Ultraszenen

Aber auch der Profifußball blieb von den Protesten nicht verschont. Ohnehin werden die Ligue1-Partien seit den Terroranschlägen im Jahr 2015 und dem anschließenden, mehrere Monate lang andauernden Ausnahmezustand stets von einer hohen Polizeipräsenz begleitet. Auch Auswärtsfans sind häufig nicht zugelassen. Offenbar war das französische Innenministerium am vergangenen Wochenende nun der Ansicht, die Beamten, die zur Sicherung der Spiele eingeplant waren, lieber auf der Straße einzusetzen. Kurzerhand wurde der halbe Spieltag abgesagt.

Eine Woche zuvor blockierten wütende Bürger die Zufahrt zum Flughafen in Saint-Etienne, was dazu führte, dass der Mannschaftsbus des FC Nantes nach einem Auswärtsspiel stundenlang nicht vom Fleck kam. Doch die Spieler gingen souverän mit der Situation um, stiegen aus, sprachen mit den Demonstranten und machten Selfies. Äußern möchte sich dazu im Nachgang beim Verein allerdings niemand, und die Begründung der Pressesprecherin mutet für ein Land, das die Meinungsfreiheit als Grundrecht garantiert, reichlich skurril an: »Wir werden darüber nicht sprechen, da das Thema einfach zu politisch für uns ist.«

»Sie wollen mit dem Strom schwimmen« 

Auch die Ultraszenen der Grande Nation gehen bislang vorsichtig mit dem hochexplosiven Thema um, lediglich die »Ultràs populaires Sud« aus Nizza sowie die »South Winners« aus Marseille solidarisierten sich mit dem Gelbwesten. Erstere vergleichen die Ziele der aktiven Fans mit denen der Demonstranten. Sie sehen Parallelen im Kampf für mehr Demokratie und gegen zunehmende Repressionen sowie willkürliche Stadionverbote. Was auch Mathieu Grégoire von der Pariser Sportzeitung »L’Équipe« konstatiert: »In Nizza geht man stark auf die politische Ebene der Ultraszene ein.«

Die Marseiller Fans beäugt er hingegen kritisch: »Ich denke, dass ihre Haltung sehr oberflächlich ist, sie sich nicht wirklich Gedanken über die Komplexität der Thematik gemacht haben und auch nicht wirklich hinter dem stehen, was sie vorgeben zu unterstützen. Sie wollen eher mit dem Strom schwimmen.« Emmanuel Macron sollte also hoffen, dass sich die Stimmung im Land bald wieder zu seinen Gunsten verbessert. Macron ist bekennender OM-Fan.