Wie sich der Torjubel verändert hat

Kommerzialisierung des Jubels

Problematisch wird es, wenn Jubelarien von einer Art der Kommerzialisierung erfasst werden. Nicklas Bendtner lüftete nach seinem Treffer bei der EM 2012 sein Trikot. Auf der hervor blitzenden Unterwäsche des Angreifers war der Schriftzug einer irischen Wettfirma zu lesen. Die UEFA bestrafte den Dänen mit einer Strafe von 100.000 Euro und einem Spiel Sperre. 

Pierre-Emerick Aubameyang stülpte sich die Maske eines Sportartikel-Herstellers über den Kopf, nach seinem Treffer im Derby gegen Schalke. Dafür hagelte es eine Geldstrafe von 50.000 Euro. 

Antoine Griezmann schunkelt nach jedem Treffer fröhlich mit einem »Surfer-Gruß«. Der Jubel ist seit kurzem Bestandteil einer Werbung für Deodorant. Und Gareth Bales »Herz-Jubel« wird mittlerweile auf T-Shirts gedruckt. 

Marke anstatt Markenzeichen

Manche Spieler haben ihr Markenzeichen zur Marke gemacht. Ein Graus für den Fußballromantiker. Denn ein Jubel, der nicht Ausdruck von Freude, sondern dem bloßen Selbstzweck dient, hat Anteil am Verlust der Emotionalität im Sport. 

Der Bayern-Jubel, das ist Fakt, ist unkonventionell. Allein schon, weil gar kein Tor gefallen ist. Auch der Pokal, längst übergeben. Und wie viel Gänsehaut die Supercupsieger an diesem Abend haben, bleibt abzuwarten. Was bleibt, ist eine komische Mischung aus Humor und Mario Barth. Ist das jetzt eine selbstinszenierte Superheldentruppe oder nur der bayrische Versuch eine Boyband zu gründen? Ob eine solche Form des Jubels gelungen ist, entscheidet der Betrachter.

Vielleicht hätte es genügt, abzudrehen und zur Mittellinie zur traben.