Wie sich der Torjubel verändert hat

Unterhose statt Freudensprünge

Die Bayern feiern den Supercup in extravaganter Pose. Unorthodox, aber eine Normalität im Fußball-Freudentaumel. Doch der Jubel hat seine Grenzen. Ein Kommentar zur Entwicklung des Torjubels.

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Es war ein Glücksfall. Nach der Flanke von Rainer Bonhof springt Gerd Müller der Ball vom Fuß. Die ungewollte Körpertäuschung lässt seinen niederländischen Gegenspieler Ruud Krol ins Leere laufen. Der »Bomber« nutzt den freien Raum und schiebt zum 2:1-Führungstreffer ein. 

Das spektakuläre Unspektakuläre folgt erst noch. Nach dem Treffer trapt Müller Richtung Mittelkreis. Er macht drei Freudensprünge und die Mannschaftskollegen beglückwünschen ihn. Das war es. Der Schiedsrichter setzt die Partie wieder fort. Am Ende wird Deutschland Weltmeister. 

Damals war Müllers Torjubel keinesfalls etwas Besonderes. Aus der Retrospektive betrachtet, ist seine Freude jedoch auffallend nüchtern. Heutzutage ist das Gefühl, wenn der Ball den Fuß verlässt und in die Machen drischt, nach wie vor der Auslöser für Gänsehaut-Momente. Doch sein Ausdruck, der Jubel, hat sich gewandelt. 

Ende der Zurückhaltung

Ein anderes Beispiel: die Weltmeister von 1954. Nach ihrem Siegtor machten Rahn & Co ebenfalls die direkt Kehrtwende Richtung Mittelkreis. Eine kurze Gruppenumarmung und das Spiel ging weiter. 

Dieser zurückhaltende Stil ist seltener geworden. Fast artistisch wird manch ein Tor mittlerweile zelebriert. Sei es per Salto, Flic-Flac oder einer kleinen Tanzeinlage. Der Jubel ist zum Markenzeichen des Spielers mutiert. Miroslav Klose und sein Salto, Lionel Messi und die zwei erhobenen Finger gen Himmel oder Luca Toni und die kreisende Hand vor der Ohrmuschel. 

Kein Grund zu jammern

Auszusetzen ist daran erst einmal nichts. Denn der Jubel dient - ebenso wie ein Tor oder ein Trick - der Unterhaltung des Publikums. Trotz des sportlichen Fokus, ist Fußball eine Form des »Entertainments«. Deswegen strömen am Wochenende tausende von Menschen ins Stadion. Sie wollen unterhalten werden. 

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