Wie sich der DFB sehr leicht selber einen Gefallen tun könnte

Gegen das Gähnen

Die Zuschauerzahlen und die Stimmung bei Länderspielen hängen durch. Dabei wäre Abhilfe möglich – und zwar auf verblüffend einfache Weise.

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Konnte es wirklich sein, was da am Dienstagabend im Stadion von Bröndby zu sehen war, als die deutsche Nationalmannschaft dort spielte? Standen da wirklich Zuschauer hinter dem Tor? Und nicht nur das: Waren dort richtige Stehplätze zu sehen? Und keine Klappsitze, Railseats oder Schalensitze, vor die sich das Publikum gestellt hatte?

Nein, das war keine Fata Morgana, der Eindruck täuschte nicht. Der dänische Fußballverband verzichtete beim Freundschaftskick gegen den Weltmeister darauf, irgendwelche Sitzreihen einzuschrauben, wo normalerweise gestanden wird. Denn - man glaubt es kaum - das ist erlaubt.

Der europäische Fußballverband Uefa und auch Weltverband Fifa schreiben für ihre offiziellen Wettbewerbe vor, dass gesessen werden muss. So wird es auch morgen beim WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino in Nürnberg sein, für das erst knapp 27.000 Eintrittskarten verkauft worden sind. Erstaunlicherweise gelten diese Vorgaben aber nicht für Freundschaftsspiele, woran das dänische Beispiel erinnert hat.

Wo ist hier das Gegenargument?

In den letzten Monaten hat es hierzulande eine Diskussion um sinkende Zuschauerzahlen bei Länderspielen gegeben, und die Stimmung im Stadion ist bekanntlich bei vielen Partien schon lange eine Katastrophe. Das hat mit vielen unattraktiven Gegnern in den Qualifikationsspielen zu tun und teilweise mit überhöhten Eintrittspreisen. Es liegt aber auch daran, dass regelmäßige Stadionbesucher bei Länderspielen gegenüber Fußballausflüglern deutlich in der Minderheit sind.

Der Deutsche Fußballbund will nun gezielt aus den Metropolen in kleinere Stadien gehen, was sicherlich nicht falsch ist. Aber er sollte bei Länderspielen wieder Stehplätze einführen, wo das möglich ist. Der Abschied von Lukas Podolski in Dortmund beim Spiel gegen England wäre vermutlich noch deutlich stimmungsvoller ausgefallen, wenn die Südtribüne an diesem Tag eine Stehtribüne gewesen wäre. Und dem Freundschaftsspiel im nächsten Frühjahr in Düsseldorf würde es zweifellos gut tun, wenn Stimmung auf den billigen Plätzen wäre. Denn billige Plätze, das wäre noch so ein schöner Nebeneffekt, gäbe es dann auch.

Dass der DFB in schweren Zeiten zudem ein Signal an das traditionelle Klientel senden würde, führt letztlich nur zu einer Frage: Wo ist hier eigentlich das Gegenargument?