Wie sich Dardai in Berlin unentbehrlich gemacht hat

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Neben der Mannschaftskabine auf dem Olympiagelände hat das Trainerteam ein gemeinsames Büro. Die sechs Arbeitsplätze mit Laptop oder Computer sind um einen Pfeiler in der Mitte angeordnet, Dardai hat seinen Schreibtisch zwischen Rainer Widmayer und seinem Landsmann Zsolt Petry, dem Torwarttrainer.

Seit Anfang des Jahres arbeitet Hertha mit dem Softwarekonzern SAP zusammen. Die Trainer und Scouts haben Zugriff auf eine Datenbank, in der alles erfasst wird, was wichtig sein und werden könnte. Co-Trainer Admir Hamzagic und Athletiktrainer Henrik Kuchno pflegen die Inhalte der Trainingseinheiten ein. Bis vor ein paar Wochen waren alle Spieler an das Omega-Wave-System angeschlossen, mit dem ihre körperliche Leistungsfähigkeit permanent gemessen wurde und dessen Daten sie auch zu Hause per App abrufen konnten. Und als in dieser Woche der U-23-Spieler Marcus Mlynikowski kurzfristig eine Startelfoption für das Spiel in Mönchengladbach wurde, hat er am Abend zuvor Ausschnitte mit den Stärken seines potenziellen Gegenspielers Patrick Herrmann aufs Smartphone bekommen.

Verbindungsmann zwischen Vergangenheit und Zukunft

»Pal ist clever«, sagt Rainer Widmayer. »Er weiß, was er braucht und was er nicht braucht.« Im Sommer hat Dardai in einer komplizierten Angelegenheit sogar einen Psychologen zu Rate gezogen. Es ging darum, dem eher ruhigen Fabian Lustenberger die Kapitänsbinde zu entziehen und den extrovertierteren Vedad Ibisevic zu seinem Nachfolger zu machen. Auf Vorschlag des Psychologen hat Dardai keine Rede vor der Mannschaft gehalten, sondern seine Beweggründe aufgeschrieben und an alle Spieler verteilen lassen. So konnten später keine Gerüchte über die Motive des Cheftrainers aufkommen.

Pal Dardai ist auch in anderer Hinsicht ein Verbindungsmann zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er hat noch die Zeit miterlebt, als Hertha groß gedacht hat, als die Champions League so etwas wie der natürliche Anspruch des Klubs war. Inzwischen muss Hertha sich mit deutlich weniger begnügen. Nach zwei Abstiegen kämpft der Verein um Stabilität, um dauerhafte Zugehörigkeit zur Bundesliga. Wenn die Mannschaft in der Schlussphase der Saison nicht noch einbricht, wird sie zum zweiten Mal hintereinander auf einem einstelligen Tabellenplatz einlaufen. Der Prozess der Etablierung scheint sich seinem Ende zu nähern. Für Pal Dardai ist das erst der Anfang.