Wie sich Dänemarks Trainer Hareide durchs Turnier quält

»Verstehen Sie das jetzt endlich?

Spötter behaupten sogar, Dänemarks Nationaltrainer sei der meist gehasste Mann des Landes. Und wäre er nicht so furchtbar erfolgreich – sie hätten ihn vermutlich längst zum Teufel gejagt. Doch Hareides Team blieb im Vorfeld der Weltmeisterschaft 15 Spiele lang ohne Niederlage (ein neuer dänischer Rekord) und nimmt aktuell erstmals seit der EM 2012 wieder an einem internationalen Großereignis teil. Darauf weist der Macher des Erfolges gern und oft hin. Eigentlich an jedem verdammten Tag.

Im November 2016, ein knappes Jahr nach Aage Hareides Amtsantritt, hatte die Zeitung »Ekstrabladet« vor einem WM-Quali-Spiel gegen Kasachstan getitelt: »Siegen oder Fliegen«. Hareide gewann 4:1. Sehr zum Ärger der dänischen Journalisten. Dabei hat der frühere Defensiv-Allrounder »Danish Dynamite« endlich wieder zum Zünden gebracht – ein durchaus schwieriges Unterfangen.

»Vor meiner Ankunft in Dänemark hatte ich nicht gedacht, wie schlimm es um die Mannschaft stand«, sagt Hareide im Rückblick. »Sie war psychisch total am Boden, die Spieler hatten schlicht und einfach Angst vorm Gewinnen.« Der Fußball- und Menschenkenner spürte sofort, was diesem Team fehlte: Eine gewaltige Portion Selbstvertrauen, Härte und Aggressivität. All das lebt Hareide den Herren Schmeichel, Christensen und Eriksen seither vor. An jedem verdammten Tag.

»Verstehen Sie das jetzt endlich?« 

Nach einem überzeugenden 2:0-Sieg im letzten WM-Test gegen Mexiko fragte die Zeitung »BT« laut nach, warum Abwehrspieler Andreas Bjelland und »Lord« Nicklas Bendtner nicht im WM-Kader stünden. Da platzte Aage Hareide – einmal mehr – der Kragen: »Ich bin es leid, Fragen zu denen zu beantworten, die draußen sind. Die müssen für sich selbst antworten, ich will das nicht mehr kommentieren. Die Spieler, die außen vor geblieben sind, sind draußen, weil sie nicht fit genug waren. Verstehen Sie das jetzt endlich? Ja oder nein?« So oder ähnlich geht es zu im Lager des dänischen Nationalteams. An jedem verdammten Tag.

Hareides Kritiker fragen höhnisch, ob der Coach aufgrund seiner Rückenbeschwerden so verspannt sei – oder ob die Bandscheibenvorfälle eher eine Folge seiner ständigen Unentspanntheit seien. Diejenigen, die Hareides Arbeit schätzen (und davon gibt es nach nunmehr 16 Spielen ohne Niederlage doch eine Handvoll) fragen sich angstvoll: Kann er den Belastungen dieser Weltmeisterschaft weiter standhalten?

Für den Notfall stünde ein Ersatzmann mit reichlich Turniererfahrung bereit: Hareides Assistent ist nämlich kein Geringerer als Jon Dahl Tomasson, Ex-Torjäger des dänischen Nationalteams. Doch dessen Boss denkt gar nicht ans Aufgeben. »Um mich muss sich niemand Sorgen machen, mir geht es gut«, betont Hareide. An jedem verdammten … – ach, lassen wir das.