Wie sich Cottbus-Fans gegen Rechte aufzulehnen versuchen

»Energie Cottbus soll kein Eldorado für Nazis werden«

Dass sich in dieser Gemengelage eine Gruppe gründet, die sich explizit gegen Neonazis im Stadion der Freundschaft ausspricht, erscheint aller Ehre wert. Die »Energiefans gegen Nazis« wollen ihr Engagement aber nicht zu hoch hängen. Sie lassen ausrichten: »Fakt ist, dass es Nazis in unseren Blöcken gibt. Aber die Mehrheit der Energie-Fans hat wahrscheinlich noch nie eine bedrohliche Situation erlebt«.

Die Kontaktaufnahme zur Gruppe gestaltet sich schwierig, die Mitglieder wollen anonym bleiben – auch weil es ihnen um die Sache, nicht um Personen gehen soll. Ein Mitglied erzählt: »Wir wollen nicht nur über potentielle Bedrohungen und Gewalt sprechen, wenn es um unseren Verein geht. Damit erzeugen wir genau das Bild, das die Rechten erreichen wollen, und machen es unseren Mitstreitern schwieriger. Energie Cottbus soll kein Eldorado für Nazis werden.«

Eine Fahne gegen Nazis

Die Mitstreiter haben es ohnehin nicht leicht. Vor dem Landespokalfinale gegen den SV Babelsberg vor acht Tagen entschieden sich die »Energiefans gegen Nazis«, künftig eine Fahne mit ihrem Slogan im Stadion aufzuhängen – sie wurde noch vor Anpfiff vom Zaun abgehangen. Am Sonntag gab es den nächsten Versuch. Wieder stieß die Gruppe auf Widerstand. Das Mitglied erzählt: »Wir wurden von rund 20 breitschultrigen Typen beleidigt und von einigen körperlich attackiert. Typen, die ganz selbstbewusst sagen und nach außen tragen, dass sie Nazis sind. Immerhin konnten wir unsere Fahne sichern.«

Die Gruppe blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft. Sie sagen, der Verein habe endlich die Zeichen der Zeit erkannt. Unter Präsident Michael Wahlich seien Konzepte für Vielfalt und Toleranz erarbeitet worden. Energie Cottbus mache deutlich: »Wer gegen Nazis ist, ist bei uns richtig.« Das motiviere die Gruppe, nicht aufzugeben und auch in der 3. Liga ihre Fahne gegen Nazis aufzuhängen.

Bärendienst aus den eigenen Reihen

Umso ärgerlicher dürfte es für die engagierten Fans sein, dass ausgerechnet die eigene Elf am Sonntag für den nächsten Eklat sorgte. Bei der Aufstiegsfeier im Stadion besangen die Spieler ihren Coach mit den Worten: »Trainer, du Zigeuner«. Der antwortete später mit den gleichen Worten – Antiziganismus, wie er im Fußball vielerorts leider üblich ist. Als die Spieler von Darmstadt 98 2015 ihren Trainer in gleicher Weise feierten, blieb der öffentliche Aufschrei aus.

In Cottbus dagegen stützt solch ein Vorkommnis den Ruf des rechten Vereins. Einen Ruf, gegen den sich Energie durch die jahrelang fehlende Auseinandersetzung mit den Umtrieben in der eigenen Fanszene lange nicht entschieden genug gewehrt hat. Dass der Verein jetzt die Zeichen der Zeit erkannt hat, wird er erst noch unter Beweis stellen müssen. Trainer Wollitz entschuldigte sich in einem öffentlichen Statement für den »Fauxpas«. Womöglich trägt der Einsatz der »Energiefans gegen Nazis« erste Früchte. Die glauben, dass die aktuellen Diskussionen andernfalls wiederum den Rechten nutzen: »Dann können sich die Nazis in ihrer ›David gegen Goliath‹-Logik einrichten.«