Wie sich Cottbus-Fans gegen Rechte aufzulehnen versuchen

Aufstieg des Bösen?

Die »Energiefans gegen Nazis« wollten endlich das Image des rechten Vereins loswerden. Dann posierten andere Fans bei der Aufstiegsfeier in Ku-Klux-Klan-Montur auf dem Cottbuser Altmarkt.

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Eigentlich schien in Cottbus an diesem Wochenende alles angerichtet zu sein: Der FC Energie würde endlich einmal wieder sportliche Schlagzeilen schreiben. In den vergangenen zwei Jahren Viertklassigkeit erlangte der Verein vor allem durch mehrere Ausfälle extrem rechter Anhänger überregionale Aufmerksamkeit. Doch nach dem Sieg im Relegationshinspiel gegen Weiche Flensburg am letzten Donnerstag stand der ehemalige Bundesligist bereits mit einem Bein in der 3. Liga und war damit auf dem besten Weg, sein Image aufzupolieren.

Bis es wieder geschah: Am Sonntagabend, wenige Stunden nachdem Energie vor 20 000 Fans den Aufstieg unter Dach und Fach gebracht hat, macht ein Foto von den anschließenden Feierlichkeiten auf dem Cottbuser Altmarkt, dem Treffpunkt der Fanszene, im Internet die Runde. Darauf zu sehen: Ein Banner mit der Aufschrift »Aufstieg des Bösen« und Energie-Cottbus-Logo in Ku-Klux-Klan-Optik, das von mindestens vier Personen gehalten wird – wovon zwei zudem die Masken des berüchtigten rassistischen Bundes tragen. Ein neuer Skandal.

Quelle: Twitter/Jüdisches Forum

Immerhin: Es dauert nur bis zum nächsten Mittag, bis sich Energie Cottbus distanziert. Auch die »Energiefans gegen Nazis« schreiben in einer Stellungnahme: »Unfassbar: Wieder missbrauchen Nazis unseren Verein.« Ein Gruppenmitglied sagt im Gespräch mit 11FREUNDE: »Das ist furchtbar und widerlich. Ich kann das kaum in Worte fassen.« Während in der Vergangenheit nach ähnlichen Vorfällen die Schelte oft von außen kam und das Gefühl um sich griff, in Cottbus ducke man sich vor Kritik lieber weg, sind nun deutliche Stimmen der Ablehnung von Seiten des Vereins und der Fanszene zu vernehmen.

Keine Überraschung

Der frischgebackene Drittligist hat ein großes Problem mit Neonazis unter seinen Anhängern. Vor allem das Skandalspiel von Babelsberg im April 2017 dürfte vielen in Erinnerung sein. Einige mitgereiste Cottbuser zeigten damals den Hitlergruß, außerdem wurden antisemitische Gesänge angestimmt. Die Cottbuser Fanszene ist teilweise durchsetzt mit strammen Neonazis aus der südbrandenburgischen extremen Rechten, einzelne Gruppen treten immer wieder offen rassistisch auf.

Mitte September 2017 zog sich die Ultra-Gruppe »Ultima Raka« aus dem Stadion zurück, weil sie nicht gemeinsame Sache mit den Rechten machen wollte, von diesen aber mutmaßlich unter Druck gesetzt wurde. Insbesondere der Gruppe »Inferno« werden zahlreiche Gewalttaten zugerechnet. Vom Verein ist sie schon seit Jahren mit einem Erscheinungsverbot belegt – auf Fotos vom Sonntag sind dennoch Merch-Artikel der offiziell aufgelösten Gruppe zu sehen.

Ohnehin gilt die Stadt Cottbus als ein Zentrum rechts-populistischer Aktivitäten in Ostdeutschland. Anfang des Jahres nahmen Tausende an Anti-Asyl-Demonstrationen des Vereins »Zukunft Heimat« teil – darunter auch zahlreiche Energie-Fans. Bei der letztjährigen Bundestagswahl wurde die AfD mit über einem Viertel der Stimmen stärkste Kraft. Die Cottbuser Rechtsrock-Band »Frontalkraft« spielte nach Informationen der »Lausitzer Rundschau« schon auf Feiern der Ultra-Gruppe »Collettivo Bianco Rosso«.