Wie sich 1860 München gegen den Investor auflehnt

Noch ist es ein langer Weg

Dass sich die e.V.-Vertreter so offen gegen den Geldgeber positionierten, wird viele Löwen-Fans gefreut haben. In der Vergangenheit stand das 1860-Präsidium in einer spannungsgeladenen Dreiecksbeziehung oft zwischen den Fans und Mitgliedern auf der einen und Hasan Ismaik auf der anderen Seite. Nun scheint der Zusammenhalt von Mannschaft, Fans und Verein zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder zu wachsen. Gleichzeitig kommen die Löwen aus dem Dilemma, noch immer am Geldhahn des Investors zu hängen, nicht heraus.

Dessen scheinen sich auch die Verantwortlichen des Gesamtvereins bewusst zu sein. Mitte Dezember beschlossen Präsidium und Verwaltungsrat, dem mit großer Zustimmung von der Mitgliederversammlung im vergangenen Juli beschlossenen Kündigungswunsch des Kooperationsvertrags mit Ismaik nicht zu entsprechen. Bereits auf eben jener Versammlung war der Vorstand gegen das Anliegen der Mitglieder vorgegangen, die Kündigung »unverzüglich« zu vollziehen, was den Löwen wohl große rechtliche Schwierigkeiten bereitet hätte.

Potentielle Unruheherde

Und so sollte der neue Weg der Münchner besser von Erfolg gezeichnet sein. Wenn es Scharold nicht gelingen sollte, den Sanierungskurs Fausers fortzusetzen, könnte es bald schon wieder vorbei sein mit der Aufbruchsstimmung an Giesings Höhen. Auch Ismaik dürfte dann wieder Morgenluft wittern und die Ära Scharold – schon der sechste Geschäftsführer in nicht einmal eineinhalb Jahren – womöglich ein schnelles Ende finden.

Potentielle Unruheherde gibt es genug: Sollte der fest eingeplante sofortige Aufstieg doch misslingen, dürfte das leidgeprüfte Münchner Publikum unruhig werden. Aber auch sportlicher Erfolg könnte für Ärger sorgen. Überglücklich sind die Löwen-Fans gerade erst aus der verhassten Arena des FC Bayern ins Stadion an der Grünwalder Straße heimgekehrt. In der 3. Liga wird man dort auch noch antreten können, aber spätestens in Liga Zwei ist trotz anstehender Erweiterung Schluss. Ein neues Stadion am Stadtrand dürfte auf wenig Gegenliebe unter den traditionsbewussten Anhängern stoßen – selbst ohne Löwengehege.