Wie Sergio Ramos die spanische Nationalmannschaft anführt

Wie Ramos zur Persona non grata wurde

Und jetzt? Sergio Ramos ist der Kapitän, nicht nur von Spanien, sondern auch von Real Madrid. Der gerade so spektakulär entlassene Lopetegui war sein Vorgesetzter in der Nationalmannschaft und er wird es künftig auch bei Real Madrid sein. Man darf wohl davon ausgehen, dass der Klub ihn vor dieser Entscheidung informiert hat. Ramos ist einer, auf dessen Meinung die Vereinsführung wert legt. Der volkstümliche und flächendeckend zutätowierte Verteidiger hat wesentlich zur Erdung des Vereins beigetragen, der mal den Beinamen »Los Galacticos« mit sich herumschleppte. Der zugleich virtuose und beinharte Innenverteidiger würde zur Not auch ein Klavier mit formvollendeter Schönheit aus dem Strafraum köpfen. Dazu kann er mit brillanter Übersicht und Ballbehandlung das Spiel eröffnen und Tore schießen, wichtige Tore. Zwei Champions-League-Finals hat er auf diese Weise mitentschieden und in einem Halbfinale beim FC Bayern München gleich zweimal getroffen. Sergio Ramos ist ein perfekter Fußballspieler.

Zwei böse Fouls im Finale

Das ist zuletzt ein wenig in Vergessenheit geraten nach dem Finale der Champions League. In Kiew gegen den FC Liverpool hat Sergio Ramos seine Mannschaft Real Madrid zum dritten Sieg hintereinander geführt, andere sagen: getreten und geboxt. Ramos hat erst Liverpools ägyptischen Stürmer Mohamed Salah so schwer verletzt, dass der schon nach 20 Minuten nicht mehr mitmachen konnte. Später rammte er auch noch dem Torhüter Loris Karius seinen Ellenbogen an den Kopf. Karius hat dann zwei sehr dumme Fehler gemacht, die zu zwei sehr kuriosen Madrider Toren führten. Ein paar Tage später ließ er sich in den USA bei einem Spezialisten untersuchen und eine Gehirnerschütterung bescheinigen, verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, das könne sehr wohl die Ursache für seine beiden dummen Fehler sein.

Ramos reagierte darauf so subtil, wie Verteidiger in der Rückwärtsbewegung nun mal sind: »Salah hätte spielen können, wenn er sich für die zweite Hälfte eine Spritze hätte geben lassen. Ich habe das schon einige Male gemacht.« Und: »Nachdem der Torhüter behauptet, er hatte nach der Kollision mit mir eine Gehirnerschütterung, fehlt nur noch, dass Firmino sagt, er hätte eine Erkältung bekommen, weil einige meiner Schweißperlen auf ihm gelandet sind.« Der Brasilianer Roberto Firmino steht als Stürmer in Liverpooler Diensten, er war der Erste, der im Finale von Kiew laut und gestenreich eine Bestrafung von Ramos gefordert hatte.

Alle Scheinwerfer auf Ronaldo

Selten ist ein Fußballspieler so unbeliebt gewesen wie Sergio Ramos in diesen Tagen nach dem Champions-League-Finale in Kiew. Ein ägyptischer Anwalt verkündet schon am Tag danach, er werde Ramos auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz verklagen, wegen des schweren Schmerzes, den er dem ägyptischen Volk zugefügt habe.

Von Cristiano Ronaldo hat in diesem Finale niemand geredet. Er lief eher unbeteiligt über den Rasen, er trat den Ball ein paarmal ohne jede Aussicht auf Erfolg, und am Ende musste er auch noch hinnehmen, dass sein mannschaftsinterner Rivale Gareth Bale das schönste Tor des Abends erzielte. Ronaldo hat sich für das offizielle Protokoll ein bisschen gefreut und ganz nebenbei die Bemerkung fallen lassen, es sei eine schöne Zeit bei Real Madrid gewesen. Mit dem gewünschten Effekt, dass plötzlich ein Abschied im Raum stand und doch jeder über Ronaldo sprach.

Aber was war das gegen die Tiraden, die Sergio Ramos trafen?