Wie Schalke 04 unter David Wagner spielt

Das neue Pressingmonster

Der FC Schalke 04 zeigt in dieser Saison ein ganz anderes Gesicht. Wir liefern vier Gründe, warum die Königsblauen in dieser Saison nach oben schielen können.

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Gute Stimmung gab es in der vergangenen Saison auf Schalke nur selten. Ein leichtes Grummeln begleitete die Mannschaft praktisch immer, an manchen Nachmittagen erwuchsen daraus sogar lautstarke Pfiffe und Buhrufe. Publikum und Mannschaft hatten sich entzweit. 

Am Wochenende feierte das Schalker Publikum seine Mannschaft. Jeden Zweikampf, jede Grätsche, jeden Ballgewinn belohnten die Fans mit frenetischem Applaus. Selbst der Kölner Ausgleich wenige Sekunden vor Schluss tat der Stimmung kaum einen Abbruch. Kein Wunder: Das sonst so mürrische Gelsenkirchener Publikum spürt, dass gerade etwas entsteht - Trainer David Wagner hat die richtigen Schlüsse aus der vergangenen Spielzeit gezogen. 

1. Schalke lernt das Pressing

Keine Übertragung eines Schalke-Spiels kommt ohne den Fakt aus, dass Trainer Wagner einst Trauzeuge von Jürgen Klopp war. Dass sich die Fußballphilosophie der Beiden ähnelt, wird häufig mit ihrer Freundschaft erklärt. Wagner dürfte aber auch ohne seine Beziehung zu Klopp ein Anhänger des aggressiven Angriffspressings geworden sein. Er hat es bereits unter Ralf Rangnick kennen gelernt.

Auf Schalke hat er langsam, aber stetig die Pressinglinie seiner Mannschaft einige Meter weiter nach vorne verlegt. Nachdem Schalke zu Beginn der Saison noch den Zugriff im Mittelfeld suchte, gehen sie nun ganz vorne drauf.

Die Statistik »Passes per Defensive Action« belegt dies eindrucksvoll. Diese setzt die Zahl der defensiven Aktionen (Zweikämpfe, abgefangene Pässe etc.) einer Mannschaft in Relation zu der Anzahl gegnerischen Pässen. Die Logik: Je weniger Pässe der Gegner spielen kann, ohne dass er gestört wird, umso aggressiver tritt ein Team auf. Wagners Schalke hatte zu Saisonbeginn noch einen Wert jenseits von zehn, lag damit in der Bundesliga im unterdurchschnittlichen Bereich. Gegen Köln lag er bei knapp über vier - Bestwert. Wagner will Schalke zum Pressingmonster entwickeln.

2. Schalke hat Tempo

Wagners Idee vom Vollgasfußball fußt auf einer zweiten Komponente: dem schnellen Umschaltspiel. Anders als in den vergangenen Jahren ist die Ballsicherung für das Team zweitrangig. Nach Ballgewinnen kreuzen die Stürmer, das Mittelfeld startet wuchtig nach vorne. Einzig Amine Harit verbleibt in etwas tieferer Position, um sich im Zehnerraum anzubieten.

Schalke bringt in dieser Spielzeit wesentlich mehr Wucht auf den Rasen. Gegen Köln zeigte sich jedoch auch, in welchem Bereich sich die Mannschaft weiterentwickeln muss: Der FC ließ den Schalkern wenige Räume zum Kontern, wodurch die Königsblauen in der zweiten Halbzeit auf 60 Prozent Ballbesitz kamen. Daraus kreierten sie jedoch wenige Torchancen. Aktuell ist für Wagner vor allem wichtig, dass Schalke wieder eine klare Spielidee verfolgt – eine Spielidee, die von den Profis auch gelebt wird.