Wie Schach bei der Spielersuche hilft

Warum nicht Teneriffa?

Auf der Suche nach neuen Spielern gehen die Klubs immer neue Wege. Dabei tun sich sogar Parallelen zum Schach auf.

imago

Fußball ist zwar kein Schach, aber gerade im Transfergeschäft könnte das Spiel der Könige hilfreich sein. Seit Anfang der 1960er Jahre gibt es im Schach nämlich den so genannten ELO-Wert, der darüber Auskunft gibt, wie gut die Spieler sind. Um den Wert zu errechnen, werden alle ihre Partien danach eingerechnet, wie stark die jeweiligen Gegner waren und ob sie gewonnen oder verloren haben. 

Nur, was Bitteschön sollte das mit dem Transfermarkt im Fußball zu tun haben? Bis Freitagabend waren in Deutschland noch Wechsel möglich, und eine der schwierigsten Fragen bei internationalen Wechseln ist die, wie gut ein ausländischer Klub im Vergleich zu einem deutschen ist. Wieviel mögen 15 Tore in der holländischen Ehrendivison in der Bundesliga wert sein, und ist ein solider Verteidiger eines slowakischen Erstligisten das auch in Deutschlands Zweiter Liga? Eine erste Orientierung dabei liefert clubelo.com, denn auf dieser Website werden analog zum Schach die ELO-Werte für 614 europäische Fußballklubs vom FC Barcelona an der Spitze bis zur SP La Fiorita aus San Marino auf dem letzten Platz errechnet.

Ärmer und trotzdem besser

Auch die Berliner Profiklubs sind erfasst: Hertha auf Platz 88 und Union auf Platz 204. Interessant ist, in welcher Nachbarschaft sich die beiden befinden. Bei Hertha sind es etwa der ehemalige Schweizer Serienmeister FC Basel oder Apoel Nikosia, die bei im Europapokal spielen. Auf ähnlichem Niveau wie Union spielen mit Roter Stern Belgrad und Malmö FF ebenfalls zwei Europapokalteilnehmer.

Noch viel interessanter ist aber, wer deutlich besser ist. Denn am liebsten würde die meisten Klubs natürlich Stammspieler von besseren Mannschaften als der eigenen verpflichten und das auch noch für weniger Geld. Das ELO-Ranking zeigt, dass das erstaunlicherweise möglich ist - vor allem in Spanien. Kleine spanische Erstligisten mit bescheidenen wirtschaftlichen Möglichkeiten wie Eibar, Alaves oder Levante liegen 40 Plätze vor Hertha. Spanische Zweitligisten wie Cadiz, Saragossa oder Teneriffa liegen zwischen 60 und 100 Plätzen vor Union, ohne annähernd die Wirtschaftskraft der Köpenicker zu haben.

Welche der Spieler dieser Klubs es sind, die dort für die sportliche Qualität sorgen und ob sie es sind, die den Berliner Klubs weiterhelfen würden, darüber sagt der ELO-Wert nichts aus. Aber das können die Scouts der Klubs ja vor Ort erkunden, über einen Trip nach Teneriffa würden sich bestimmt auch niemand beschweren.