Wie Russland den moldawischen Fußball beherrscht

Wer ist hier der Sheriff?

Der von einem dubiosen Konzern gesponserte FC Sheriff Tiraspol tritt heute in der Champions-League-Quali für Moldawien an – obwohl man sich politisch von diesem Land losgesagt hat.

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Dieser Tage steigen die Hinspiele der 1. Qualifikationsrunde zur Champions League. Hurra, möchte man da sagen, wen interessiert's? Doch beim Überfliegen der Teilnehmerliste stößt man rasch auf einige interessante Vereine. Da findet sich zum Beispiel F91 Düdelingen, jener sympathische Vertreter aus Luxemburg, der 2012 die Millionentruppe von RB Salzburg aus dem Wettbewerb kickte. Oder der FC Ararat aus Armenien und der FK Qarabag Agdam aus der armenisch besetzten aserbaidschanischen Bergregion Karabach – wie gut, dass beide vorerst nicht aufeinandertreffen. Und dann ist da noch der FC Sheriff Tiraspol – ein Klub, der neben seinem lustigen Namen vor allem eines vorweisen kann: einen richtig düsteren Background.

Der moldawische Serienmeister stammt aus der abtrünnigen Region Transnistrien, deren Loslösung (ähnlich wie im ost-ukrainischen Donbas) aus dem Hintergrund von Wladimir Putin orchestriert wird. Transnistrien ist ein vorwiegend von ethnischen Russen besiedelter schmaler Landstreifen im östlichen Moldawien, der sich Anfang der 1990er Jahre für eigenständig erklärt hat. Um diesen Status zu sichern, patrouillieren bis heute russische »Friedenstruppen« an der Grenze zum rumänischsprachigen Rest-Moldawien. Doch weil niemand (außer vielleicht Russland) den russischen Satellitenstaat anerkennt – auch nicht die FIFA oder die UEFA – muss der FC Sheriff aus Transnistriens Hauptstadt Tiraspol weiter in Moldawiens Liga antreten, als eine Art fremde Macht. Besser gesagt: als feindliche Übermacht.

Ein sicherer Hafen für Schmuggler

Den Namen »Sheriff« verdankt der Klub dem gleichnamigen Russland-nahen Konzern, der neben Supermarktketten, Tankstellen, einem Mobilfunkanbieter, diversen Medien und Banken auch von Geschäftsfeldern wie Schmuggel und Geldwäsche profitiert – mindestens indirekt. Transnistrien gilt als von mafiösen Strukturen durchzogen und als hochgradig korrupt. Staatsoberhaupt Wadim Krasnoselski machte einst Karriere als Chef des konzerneigenen Sicherheitsdienstes von »Sheriff« – was nicht unbedingt heißt, das er für Recht und Ordnung sorgt. Der US-amerikanische Thinktank »Endowment for International Peace« bezeichnete die abtrünnige Region unlängst als »sicheren Hafen für Schmuggler«.

Die Rolle des Unternehmens »Sheriff« in diesem 500.000-Einwohner-Staat ist, nun ja, ziemlich dubios. Nirgends in Transnistrien, so sagt man, wird ein Rubel verdient, ohne dass der krakenhafte Konzern davon profitiert. Auch die transnistrische Politik wird in Wahrheit aus der »Sheriff«-Zentrale gelenkt. Im Gegenzug lässt sich das Unternehmen gern als großzügiger Gönner feiern – und stopft jährlich einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag in den Fußball. Da ist es kaum überraschend, dass der FC Sheriff Tiraspol 17 der letzten 19 moldawischen Meisterschaften gewann. Ein Wunder ist viel mehr, dass mit Dacia Chisinau (2011) und Milsami Orhei (2015) zwei Klubs aus Rest-Moldawien diese Phalanx zwischenzeitlich durchbrechen konnten.