Wie Royston Drenthe seine Karriere ruinierte

Vom Fußballer zum Rapper

Im Februar löst er endgültig das One-Way-Ticket für die Talfahrt: Ein Anruf von FK Alanija Wladikawkas. Der Vorletzte aus der russischen Liga, beheimatet in der Hauptstadt Nordossetiens. Nach sechs Spielen und drei Toren meldet sich Drenthe im niederländischen Fernsehen: er fühle sich unwohl, er sei der einzige Schwarze in der ganzen Stadt, sagt er. Dann spielt er keine Spiel mehr, wirft seinen Berater raus und vertritt sich nun selbst. Drenthe wird danach in den Niederungen des europäischen Fußballs hin-und hergeschoben wie ein Ball, in den letzten Minuten einer schon längst entschieden Partie. Im Sommer der Wechsel nach Reading, zweite englische Liga, wieder Probleme mit der Disziplin. Nächsten Saison Leihe an Sheffield Wednesday, dann verschenkt ihn Reading an Kayseri Erciyesspor. Abstiegskampf in der türkischen Liga. 11 Spiele, 3 Tore. Dann Baniyas SC. Vereinigte Arabische Emirate, Golf Liga, 18 Spiele, kein Tor.

»Diese Welt gefällt mir einfach nicht«

Drenthe sagt in einem Interview: »Ich kann alle möglichen Ausreden suchen, aber das ist nicht fair. Ich habe begriffen, dass ich selbst alles ruinierte habe« und beendet 2016 mit 28 seine Karriere. »Es hat mich nicht mehr glücklich gemacht, professionell Fußball zu spielen. Diese Welt gefällt mir einfach nicht. Mir sind viele schlimme Dinge passiert und bin mittlerweile in den Emiraten angekommen«, sagt Drenthe. Er will nicht mehr Fußballspielen, endlich ein neues Leben anfangen. Der Rotterdamer zieht zurück in seine Heimatstad, widmet sich seinen fünf Kindern und seiner zweiten großen Leidenschaft: Dem Hip-Hop. Ein halbes Jahr nach seinem Karriereende taucht wieder ein Video auf, diesmal von Drenthe selbst hochgeladen. Ein Bild vom früheren Fußballer, böser Blick vor Skyline, zwei Hände greifen an seinen Hals und würgen ihn. »Paranoia« von Royas2Faces. Drenthe ist jetzt Musiker. Wütende Stimme, vom Autotune verzerrt, auf einem melancholisch-aggressiven Beat. 330.000 Views, 732 Likes, 650 Dislikes. Vier weitere Lieder folgen, keines wird öfter als 50.000 Mal aufgerufen.

Im Sommer bekommt Sparta, Rotterdams zweitgrößter Verein, einen neuen Trainer. Der Verein ist letztes Jahr in die zweite Liga abgestiegen. Henk Fraser ist ein erfahrener Coach Anfang 50. Seine erste Station war die Jugend von Feyenoord. Fraser erinnert sich sofort an einen Jungen, den er betreute, formte und zum Profifußballer ausbildete. Ein junger Mann, der der bester Spieler der U-21 EM wurde und zu Real Madrid wechselte. Er ruft bei Drenthe an, gibt ihm nochmal eine Chance. Wenige Tage später steht er auf dem Platz - zum ersten Mal seit zwei Jahren spielt er wieder professionell Fußball. Der kleine Flügelspieler hat noch immer einen explosiven Antritt, doch die Dribblings gelingen nicht mehr so richtig. Der Kopf scheint den Füßen Anweisungen zu geben, die sie so schnell nicht mehr befolgen können. »Sparta war mein rettender Engel», sagt er in seinem ersten Interview und erklärt seine Entscheidung: »Ich bin zurück in meiner Heimat, nah bei meinen Kindern. Es ist ein neuer Anfang. Meine Kinder müssen später mal stolz auf mich sein.«