Wie Royston Drenthe seine Karriere ruinierte

Von Madrid in die Arbeitslosigkeit

Am Ende der Saison stößt er mit dem Selbstvertrauen eines spanischen Meisters und Real-Madrid-Spielers zur niederländischen U23. Nach dem Titel 2007 will die Mannschaft nun olympisches Gold holen, doch schon beim Abflug zeigt sich, dass Drenthes Ego ein Problem ist. Die ganze Mannschaft sitzt im Flugzeug, Drenthe kommt eine halbe Stunde später mit Tüten voller Luxus-Uhren und Klamotten aus dem Duty-Free-Shop. Trainer Foppe de Haan sagt vor seinen Mitspielern: »Deswegen wird aus dir nie ein Topspieler.« Er sollte Recht behalten. In der neuen Saison wird Drenthe unter Schuster zum Stammspieler. Doch zur Winterpause, als der Vorsprung auf den FC Barcelona uneinholbar scheint, wird Schuster gefeuert. Mit ihm verlässt Drenthes größter Unterstützer den Verein und der Abstieg beginnt. Juande Ramos, der Interims-Trainer, setzt vor allen Dingen auf disziplinierte Spieler. In der zweiten Saisonhälfte spielt der junge Niederländer 117 Minuten. Auch unter José Mourinho läuft es nicht besser. Drenthe sagt über die Ankunft des Portugiesen, er habe nicht einmal mit ihm geredet, erst am letzten Tag der Transferphase: »Er kam zu mir, sagte, er wolle mich verleihen und gab mir eine Liste mit Möglichkeiten.« Drenthe hat 24 Stunden, um sich zu entscheiden. Er bleibt in Spanien, geht zum Aufsteiger Hércules Alicante.

Als der kleine Verein seinen Spielern kein Gehalt mehr zahlen kann, will Drenthe das nicht akzeptieren und kommt nicht zum Training, sondern fährt nach Holland. Später erzählt er, er hätte mit seinen Mitspielern abgemacht, das Training zu boykottieren. Im Fernsehen sieht er, dass er der Einzige ist, der das Boykott durchzieht. Die Nachricht: Der Star aus Madrid hält sich für etwas Besseres. Kurz darauf ruft Mourinho bei ihm an, machte ihm klar, dass er so jemanden nicht in seiner Mannschaft gebrauchen könne. Als er nach Alicante zurückkehrt sind die Fenster in seinem Haus eingeschmissen, die Wände mit Beleidigungen vollgesprüht.

Drenthe soll sich von der Mannschaft fern halten

 Im Sommer 2011 darf Drenthe nicht einmal mit der Real-Mannschaft trainieren und wird schließlich nach Everton verliehen. Der Holländer spielt eine gute Saison, doch legt sich immer wieder mit Coach David Moyes an. Nächtliche Einbrüche auf das Trainingsgelände mit weiblicher Begleitung, trainieren mit Alkoholfahne, immer wieder Streit mit dem Trainer. Als Drenthe fünf Spiele vor Saisonende zu spät zum Training kommt, sagt Moyes ihm, er solle sich in Zukunft von der Mannschaft fernhalten. : »Ich kann nur sagen, dass Moyes mit allem Recht hatte. Ich habe mich in Liverpool nicht wie ein Profi-Fußballer verhalten«, sagt Drenthe Jahre später.

Als er aus Everton nach Madrid zurückkehrt, ist sein Vertrag bei Real ausgelaufen. Wegen seiner guten Saison in Everton hat er einige ordentliche Angebote, ein Topklub ist allerdings nicht dabei. Sein Berater rät ihm, keines davon anzunehmen und auf einen besseren Vertrag zu warten und so wartet er, bis Juli, bis August, bis September. Als die neue Saison losgeht, hat Drenthe noch immer keinen neuen Verein. Vom größten Verein der Welt in die Arbeitslosigkeit. Kurz darauf haben die Meisten den jungen Spieler mit überragenden Anlagen vergessen. Solange, bis er in einem Video den europäischen Fußball daran erinnerte, warum er in dieser Situation ist: Das Video zeigte Drenthe wie er in seinem Ferrari über die Straßen seines madrilenischen Nobelviertel heizt. Laute Musik, offenes Fenster, in der rechten Hand ein Bier. Drenthe ist wieder auf den Titelseiten. Nicht als neue Hoffnung, sondern als Kuriosum. Der verzogene Millionär außer Kontrolle.