Wie Red Bull die Uefa heute zum Narren hält

»Es ist alles geregelt«

Mit dieser Bestimmung will der Kontinentalverband eigentlich verhindern, dass im Europacup zwei oder mehr Klubs (gegeneinander) antreten, die einer Stallregie unterliegen, wie in Mateschitz' Formel-1-Team durchaus üblich. Dass RB Leipzig entscheidend von Red Bull beeinflusst wird, bestreitet nicht einmal Red Bull selbst.

Folglich hätte die Uefa in diesem Jahr wie im Vorjahr Leipzigs Europacup-Ausschluss verfügen müssen. Denn das Uefa-Regulativ schreibt vor, dass in einem solchen Fall der im nationalen Ligabetrieb schlechter platzierte Klub international zuschauen muss. Und Salzburg ist nun mal (Serien-)Meister. Patron Mateschitz schien jedoch schon im Frühling 2017 gewusst zu haben, dass die Uefa seinem Treiben tatenlos zuschauen würde. »Es ist alles geregelt«, teilte der Milliardär im Frühjahr den »Salzburger Nachrichten« mit und eröffnete damit Raum für Spekulationen. Was hatte er geregelt? Und: wie? Schließlich hatte die Uefa erklärt, eine Entscheidung in dieser brisanten Causa werde erst im Laufe des Juni verkündet.

»Derby« – trotz 580 Kilometer Distanz

Hinter der Fassade des Red-Bull-Imperiums herrscht bis heute helle Aufregung um das Thema RB Leipzig/RB Salzburg. Denn tatsächlich sind beide Vereine so stark miteinander verflochten, dass man intern den Überblick verloren hat. So berichtete der österreichische »Kurier« vom 8. Mai 2017 über »Mitarbeiter, die für beide Vereine arbeiten«. Tatsächlich gibt es diese, unter anderem Scouts sowie festangestellte Übersetzer für Spieler. Zudem pflegen beide Klubs weiter eine quasi identische Corporate Identity.

Um nur einige Beispiele zu nennen. Die »Salzburger Nachrichten«, so etwas wie die Hauspostille von Red-Bull-Boss Mateschitz, sieht im heutigen Europa-League-Spiel ein Duell »um die Nummer-eins-Rolle innerhalb des Konzerns«. Leipzigs Sportboss Rangnick spricht angesichts des Vergleichs zweier Klubs, die rund 580 Kilometer entfernt voneinander residieren, von einem »Derby«. Auch das spricht für eine gewisse, nun ja, Nähe.

»Trennung bezieht sich auf sämtliche Bereiche«

De facto handelt es sich um ein betriebsinternes Kräftemessen, dessen Ausgang natürlich auch Unternehmens-strategisch wichtig ist. Ein RB-Klubmitarbeiter bestätigt gegenüber 11FREUNDE: »Im Arbeitsalltag bestehen viele Verflechtungen zwischen Salzburg und Leipzig sowie zwischen Salzburg und der Red Bull GmbH weiter.« Da geht es um Scouting, um das Trikotdesign, um gemeinsame Spielphilosophien, um die Verteilung afrikanischer Talente auf die jeweiligen Klub-Internate in Leipzig und Salzburg.

Und um vieles mehr. Die Klubführung in Leipzig erklärte hingegen bereits vor gut einem Jahr gegenüber 11FREUNDE: Beide Vereine seien absolut eigenständig unterwegs. »Diese bereits vor geraumer Zeit vollzogene Trennung«, so hieß es in dem schriftlichen Statement, »bezieht sich auf sämtliche Bereiche, also auch auf die Nachwuchs- oder Scoutingabteilung, und umfasst sowohl technische als auch personelle Aspekte, d.h. es gibt keine synchronisierte Scouting-Plattform o.ä.«

 Wirklich nicht?