Wie Red Bull aus Salzburg einen unbedeutenden Club gemacht hat

Wann erwischt es Leipzig?

Die echten Fans dagegen hatte Mateschitz durch die Umbenennung des Vereins und die Änderung der Vereinsfarben von Violett in Rot-Weiß gleich zu Beginn verprellt. Nicht wenige der über 60 auf der Klub-Homepage aufgelisteten RB-Salzburg-Fanklubs bestehen laut österreichischem »Kurier« nur noch auf dem Papier. Und der Klub tat nichts, um den Kurvenschwund zu stoppen, im Gegenteil: Als in den vergangenen Jahren erste zarte Pflänzchen einer neuen Fankultur aufkeimten, wurden diese von Red Bull rigoros zertrampelt. Man will lieber Familien und Reisegruppen im Stadion begrüßen. Doch auch die kommen nur noch sporadisch.

In Leipzig zeigen sich ähnliche Entwicklungen. Der Unmut unter den anfangs euphorietrunkenen Neu-Fans wächst, nicht nur über das vom Sponsor dominierte Getränke-Angebot im Stadion. Wo immer RBL-Anhänger mitreden wollen, werden sie vom Klub, in dem lediglich 17 Mitglieder Stimmrecht genießen, eilends mundtot gemacht. Meinungsvielfalt und Diskurs? Ist eher was für Traditionsvereine. So darf die RB-Fanzeitschrift »Seelenbinder« nur im Stadion verteilt werden, wenn die Klub-Bosse eine Woche im Voraus die gesamten Inhalte kennen. Eine Praxis, die manchen an das Leipzig vor der Wende erinnert.

Wann erwischt es Leipzig?

In Salzburg untersagte der Konzern sogar, dem Vereinswappen nach dem zehnten Meistertitel den obligatorischen Stern hinzuzufügen. Weltweit wird eine solche Auszeichnung als Aufwertung der emotionalen Marke betrachtet. Doch die einzige Marke, die man in Salzburg pflegen will, ist die des Getränke-Sponsors. Bei Licht betrachtet, ist die Situation in Leipzig ziemlich ähnlich. Weil die penetrante Präsenz der roten Rinder alle übrigen Logos im Stadion in den Schatten stellt, haben es beide Red-Bull-Vereine furchtbar schwer, neue Sponsoren zu gewinnen. Dem Energydrink-Riesen ist die Monokultur im Sponsoring von Salzburg und Leipzig derweil gleich doppelt recht: Sie erhöht die Wahrnehmung von Red Bull und die Abhängigkeit der Vereine von Mateschitz.

Wohin das führen kann, zeigt das heutige Farmteam-Elend der Salzburger, das deren Ex-Trainer Oscar Garcia und Leipzig-Sportdirektor Ralf Rangnick im August 2016 mit bemerkenswerter Offenherzigkeit kundgetan hatten. Die ohnehin nicht besonders breite Fanbase der Österreicher begann daraufhin, komplett zu zerbröckeln. Kein Wunder, irgendwie. Ein Klub, dessen oberstes Ziel nicht das eigene sportliche Gedeihen ist, sondern der Erfolg eines anderen Vereins, ist ziemlich unsexy.