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Wie Rayo Vallecano seine Seele verkauft

Amerikanischer Albtraum

Rayo Vallecano ist so etwas wie das St. Pauli Spaniens. Umso erstaunlicher ist, dass der Klub jetzt in den US-Fußball investiert. Die Fans toben vor Wut. Gibt es noch Rettung?

Screenshot NASL

Wenn Melissa Barlow wollte, könnte sie den Spielbetrieb eines amerikanischen Zweitligisten auf Eis legen. Denn Melissa Barlow hat auf ihrem Grundstück immer noch das sagen. Sie ist Direktorin der Yukon Highschool in Oklahoma. Heimat der Schülerzeitung »The Insight«, des Maskottchens »The Millerman«. Und Heimat von Rayo Oklahoma, seit zwei Spielen Teil der NASL, der zweithöchsten Spielklasse in den USA. 

Das klingt putziger, als es ist. Denn die Highschool-Spielstätte »Miller Stadium«, in dem das neu gegründete Franchise seine Spiele austrägt, fasst immerhin 6000 Plätze. Was dem aktuellen Zuschauerschnitt des FSV Frankfurt entspricht. Wobei man in Oklahoma bessere Spieler zu sehen bekommt. Giorgos Samaras zum Beispiel. Die Fußball gewordene Melancholie. 31 Jahre, 81 Länderspiele für Griechenland. Und nach Stationen bei Manchester City und Celtic Glasgow nunmehr auf einer Art »Work and Travel«-Ticket für Profis unterwegs. Vergangenes Jahr noch bei Al-Hilal in Saudi-Arabien. Jetzt eben Oklahoma City.


Foto: Screenshot Facebook.com/RayoOKC

Das Herz des Klubs schlägt links

Ja und? Ist doch wunderbar! Könnte man nun meinen. Ehe man noch mal genauer hinschaut. Zurück nach Europa, nach Spanien. Nach Madrid hinein. Ins Stadtviertel Vallecas, der Heimat, der Seele von Rayo Vallecano. Einer dieser Klubs, von denen es immer heißt, sie wären etwas anders. Und einer der wenigen Klubs, die es dann auch tatsächlich sind. Noch.

Ein Stadtteilverein. Ein Klub für die Menschen um ihn herum. Für die Werte mehr bedeuten als das, was etwas wert ist. In Vallecas gründeten sie 2014 die linke Protestpartei »Podemos« (»Wir können«). Inzwischen drittstärkste Kraft im spanischen Parlament. Deren Gedanken und Ideale auf demselben Fundament fußen, dem sich seit jeher auch Rayo verpflichtet sieht.

Wie sehr, bewies der Klub vor eineinhalb Jahren. Als Carmen Martinez Ayuso vor dem Nichts stand. Weil ihr Sohn ihre Wohnung mit einer Hypothek über 40.000 Euro belastet hatte. Und mit den Kredit-Raten in Rückstand geriet. Das Ergebnis: Zwangsräumung. »Dona« Carmen stand auf der Straße. Im Alter von 85 Jahren. Nach 50 Jahren in Vallecas. Nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt. 

Als würde St. Pauli in die St. Pauli San Diego investieren

Als Trainer Paco Jemez vom Schicksal der alten Dame hörte, beschlossen er und der Verein zu helfen. Ihr eine neue Wohnung zu suchen und die laufenden Kosten dafür zu übernehmen. Auf Lebenszeit. 

Und so ein Verein soll als Namenspatron für ein in den amerikanischen Fußballmarkt eingekauftes Produkt herhalten? Schlimmer noch. Rayo Oklahoma und Vallecano teilen sich nicht nur den Namen, sondern auch das Wappen, die so charakteristischen Blitz-Trikots – und den Vorsitzenden. Raul Martin Presa. 

Es ist, als würde Oke Göttlich, der Präsident des FC St. Pauli, in Kalifornien aufschlagen. Und in den Klub St. Pauli San Diego investieren. Totenkopf inklusive. Finanziert aus der Vereinskasse. 

Eine Million Dollar soll Raul Martin Presa für den Deal locker gemacht und somit den Mehrheitsanteil gesichert haben. Den Rest finanzierte eine aus Oklahoma stammende Sport-Management- und Marketing-Agentur mit dem bezeichnenden Namen »Sold Out Strategies«.