Wie Ralf Minge seinen Burn-Out überwunden hat

Eins blieb auf der Strecke: Minges Gesundheit

Eins blieb dabei auf der Strecke: Minges Gesundheit. Wenn Dynamo an einem Freitagabend spielte, so stand Minge an seinem Stammplatz auf der Pressetribüne und begutachtete seine erfolgreiche Arbeit. Am darauffolgenden Samstag und Sonntag war er dann in Chemnitz, Aue oder Erfurt, um noch mehr Spieler zu beobachten, nichts sollte ihm entgehen. Nebenbei haben er und seine Kollegen in der Geschäftsführung mal eben den Verein entschuldet. Unter der Woche dann nicht nur das Tagesgeschäft, sondern auch immer mal wieder die Auseinandersetzung damit, was »da wieder auswärts im Block los war.« Der Beruf eines Sportdirektors ist an sich schon nicht unbedingt entspannt, im hektischen Dresden potenziert sich das nochmal.

Nicht der Pförtner von Dynamo

Minge selbst spricht bei der Entwickung seines Erschöpfungszustandes von einem schleichenden Prozess. Den späten Klassenerhalt seiner Mannschaft hat er nicht gesehen, nur ab und zu mal beim Live-Ticker reingeschaut. Er brauchte einen klaren Cut: »Ich habe am 13. März mein Handy ausgemacht - und nie wieder an.« Davor versuchte er sein Pensum zu reduzieren, was ihm aber nicht wirklich half. Schlafstörungen, ein Tinnitus, Fieber und schlechte Blutwerte brachten Minge an den Rand der Erschöpfung. Dem Leistungsgedanken aus dem Profisport habe er sich zudem auch nicht privat entziehen können. Den eigentlich zur Entspannung gedachten 45-minütigen Spaziergang am Morgen wollte er am nächsten Tag in weniger Zeit bewältigen oder in der gleichen Zeit eine längere Strecke schaffen. Minge kannte keinen Stillstand: »Wenn das Navi eine Zielzeit anzeigte, wollte ich immer zehn Minuten eher da sein, um zu gewinnen.« 

Der harte Schnitt im März half ihm, die Nachricht vom Klassenerhalt auch. Die Kaderzusammenstellung erarbeitete sein Stellvertreter Kristian Walter zusammen mit Trainer Neuhaus. Diese Rolle behält er auch erstmal. Minge soll nach und nach wieder integriert werden. Wie er sich vor einem Krankheitsrückfall schützt? »Ein Snickers-Riegel und eine Tasse Kaffee reichen zwischendurch eben nicht.« Er achtet jetzt auf seine Ernährung, kennt die Krankheitssymptome und will sie in Zukunft ernstnehmen. Sein Arzt sagte ihm während seiner Erholungsphase an der Ostsee: »Herr Minge, Sie sind nicht Pförtner bei Dynamo, und Sie sind nicht 30 Jahre alt.« Darauf will er in Zukunft Rücksicht nehmen.

»Es sieht gut aus.« 

Sein guter Freund und Auer Kollege Helge Leonhardt fasste einen gemeinsamen Familiengeburtstag im Erzgebirge gewohnt treffend zusammen: »Ralf hat wieder geraucht und getrunken. Es sieht gut aus.« Man kann es Ralf Minge nur wünschen.