Wie Rainer Wendt seine eigene Situation beurteilen würde

Wortgewendt

Rainer Wendt gab sich gern als Moralapostel des Fußballs. Doch: Mit Recht und Ordnung nimmt er es selbst nicht ganz so genau. Das kann Gesetzeshüter Rainer Wendt natürlich nicht unkommentiert lassen. Ein fiktives Interview mit seinen unvergessenen Zitaten.

imago

Rainer Wendt hebt gerne den moralischen Zeigefinger. In der Vergangenheit hielt der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft diesen oft und lange in Talkshows und Interviews in Richtung Fußballfans. Von welchem Verein? Egal. Wendts Worte malten Bilder von gesetzlosen Zuständen auf den Rängen deutscher Fußballstadien, von Gewaltexzessen als Routinevorgang in der Kurve.

Mit Aussagen wie »Wer ins Stadion geht, begibt sich in Lebensgefahr« oder auch »Fußballfans, Rocker, Salafisten sind meine größten Sorgenkinder« rotbirnte sich der 1,70 Meter große Wüterich seit gut zehn Jahren durch die verschiedensten Medien und verstand sich dort selbst stets als das integre Organ von »Recht und Ordnung« im deutschen Fußballgeschehen.

Nun allerdings steht Rainer Wendt auf der anderen Seite. Der moralische Zeigefinger ist auf ihn gerichtet. Manch einer wirft ihm sogar Doppelmoral vor. Harte Anschuldigungen, die eine Erklärung fordern. Wir maßen uns allerdings selbst keine Einordnung von Rainer Wendts Lage an. Stattdessen lassen wir eine Koryphäe auf dem Gebiet der Ethik, den einzig möglichen Experten, die Lage kommentieren: Rainer Wendt. Denn wer könnte besser wissen, was Rainer Wendt jetzt blüht als Rainer Wendt? Eben. 

Herr Wendt, vor gut einer Woche gaben Sie ein Interview im ARD-Format »Report München«. Die Journalisten wollten wissen, ob Sie noch Beamtensold vom Land NRW als Hauptkommissar bekämen. War die Frage in Ordnung?

»Das ist pure linke Klientelpolitik, sonst nichts.« 

Sie verneinten zunächst. Nach dem Gespräch baten Sie allerdings um ein weiteres Interview und räumte ein: Sie bekamen doch noch Teilzeitgeld, obwohl Sie de facto gar nicht mehr als Polizist arbeiteten und für die Gewerkschaftsarbeit freigestellt wurden.

»Es ist eine Unverfrorenheit, die Polizei so anzugehen.«

Aber Herr Wendt, Sie sind doch gar kein Polizist mehr. Sie sind Gewerkschaftler. Und bekamen trotzdem jahrelang noch 3348,68 Euro im Monat vom Land NRW.

»Das war verhältnismäßig und rechtmäßig. Wenn es jetzt zu Strafanzeigen gegen Beamte kommen sollte, wird die Justiz sicher zu dem gleichen Ergebnis kommen.« 

Womit rechtfertigen Sie denn Ihre Bezüge, wenn Sie gar nicht mehr als Hauptkommissar arbeiten?

»Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht.«

Naja, also normalerweise muss man für ein Gehalt auch wirklich in dem Beruf tätig sein.

»Also dieses Relativieren geht mir gehörig auf den Geist.«

Sie sind mittlerweile auf eigenen Wunsch aus dem Polizeidienst ausgeschieden.

»Bewährung nicht bestanden, Konsequenz: lebenslanges Stadionverbot.«

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!