Wie Polens Nationaltrainer Franciszek Smuda in der Zweiten Liga landete

Häme und Protest aus der Heimat

Eine Wut, die Smuda auch noch sieben Monate nach der EM zu spüren bekommt. Während sich die »Kadra« mit dem neuen Coach Waldemar Fornalik in der WM-Qualifikation bisher beachtlich gut schlägt, und dabei jene Spieler glänzen, die bei Smuda nie eine Chance gehabt haben, muss sich der neue Regensburger Trainer immer noch Häme und Kritik über sich ergehen lassen. Das in Polen beliebte Fußballportal Weszlo.com veröffentlicht mittlerweile fast wöchentlich Texte, in denen Smuda sein Fett abbekommt. Und dass dies sich auch auf seine berufliche Laufbahn auswirken kann, musste Smuda ebenfalls erfahren. Als Wisla Krakau, einer der wenigen polnischen Vereine, der die finanziellen Erwartungen des Trainers hätte erfüllen können, Smuda Ende 2012 zum neuen Coach machen wollte, war der Protest der Wisla-Fans so groß, dass Smuda den fertigen Vertrag nicht unterschrieb.

Wie eine Rettung muss in dieser Situation das Angebot von Jahn Regensburg vorgekommen sein, welches Smuda zwei Tage vor Weihnachten erhielt. »Meine Frau und ich haben uns noch vor Heiligabend dafür entschieden«, sagte Smuda diese Woche der Tageszeitung »Rzeczpospolita«. Doch auch der neue Job in Regensburg, den Smuda auch wegen seiner langjährigen Bekanntschaft mit dem dortigen Sportdirektor Franz Gerber annahm, bringt ihm keine Ruhe vor den polnischen Medien. Smudas Unterschrift beim Tabellenletzten der 2. Bundesliga wurde von vielen Sportjournalisten spöttisch kommentiert.

»Genug Geld hat er ja«

Doch zumindest gegen diesen Spott versucht sich Smuda zu wehren. »Wie viele polnische Trainer haben überhaupt schon ein Jobangebot aus der Bundesliga erhalten, selbst wenn es nur die Zweite ist«, verkündete Smuda, dessen Traum immer die Bundesliga gewesen war, mittlerweile in mehreren Interviews. Ein Einwand, gegen den kein Smuda-Kritiker etwas sagen kann, da der Ruf der polnischen Trainergilde nicht gerade gut ist. Diese hat mehr mit Korruptionsskandalen international für Aufsehen gesorgt als mit sportlichen Erfolgen.

Deswegen gibt es in Polen auch Stimmen, bei denen Smudas Entscheidung für Regensburg auf Bewunderung trifft. »Meinen Respekt hat er. Denn es gehört schon viel Mut dazu, sich so einer Herausforderung zu stellen«, sagt Michal Pol. »Immerhin hätte er es sich auch einfach machen können indem er auf andere, bessere Angebote wartet. Genug Geld hat er ja«, so Pol weiter, der im polnischen Fernsehen Champions League-Spiele kommentiert.

Und dass Smuda, der 2007 Trainer bei Energie Cottbus werden sollte, Regensburg vor dem Abstieg retten könnte, ist nicht unwahrscheinlich. »Smuda ist ein besserer Vereins-, als Nationalmannschaftstrainer«, so Pol. Und Smudas Erfolgsliste bestätigt diese Aussage. Mit drei Meisterschaftserfolgen, einem Pokalsieg, mehreren Vize-Meisterschaften sowie Achtungserfolgen in den europäischen Vereinswettbewerben ist Smuda der erfolgreichste polnische Trainer der letzten zwei Jahrzehnte. Eine Vita, die selbst Jahn Regensburg hoffnungsvoll auf die Rückrunde blicken lassen könnte.