Wie Peter Stöger das Dortmunder Spiel rigoros verändert hat

Funktioniert das System auch gegen Bayern?

3. Stöger baut behutsam auf dem alten Stil auf

Stögers Strategie hatte einen Haken: Er stabilisierte damit nicht nur die eigene Mannschaft, sondern auch den Gegner. Hoffenheim hatte in den vergangenen Wochen herbe Probleme mit dem eigenen Ballbesitzspiel, ging u.a. deshalb gegen den HSV mit 0:3 unter. Mit jedem Pass, den die Hoffenheimer Verteidiger spielten, wurden sie selbstsicherer – und dank der passiven Spielweise der Dortmunder konnten sie viele Pässe spielen. Auch Grillitsch schaltete sich zunehmend in das Spiel ein. Hoffenheim legte sich die Dortmunder Abwehr zurecht und vollendete die Angriffe über die Halbräume.

Dortmunds Reaktion nach der Pause zeigt aber, dass Stöger nicht nur ein Defensivtrainer ist. Er stellte auf ein offensiveres 4-3-3 um, zeitweise agierte Dortmund auch mit einer nach rechts verschobenen Dreierkette. Dortmund baute in der zweiten Halbzeit mehr Druck auf, müder werdende Hoffenheimer boten wiederum Lücken in ihrer Fünferkette. Stöger deutet an, dass er trotz einer defensiveren Spielweise nicht alle Vorteile des offensiven Bosz-Stils wegwerfen wird.

4. Einzelne Spieler können ihre Stärken wieder abrufen

Eine der größten Probleme von Bosz' recht rigorosem System war die Tatsache, dass einzelne Spieler merklich damit fremdelten. Das prominenteste Beispiel ist Julian Weigl. Unter Bosz sollte er eine höhere Position bekleiden, diese liegt Weigl aber nicht. Am liebsten ordnet er das Spiel aus der Tiefe – und das darf er unter Stöger wieder tun. Mit einer Passgenauigkeit von fast 90% ist Weigl fast wieder der Alte.

Er ist aber nur ein Beispiel. In den Partien gegen Hoffenheim und in Mainz blühten vor allem zwei Spieler auf: Shinji Kagawa überzeugt als offensiver Mittelfeldspieler, der gegen den Ball im Raum verschiebt und nach Ballgewinnen als erste Anspielstation fungiert. Der Konterspiel passt zu ihm. Marcel Schmelzer wiederum entlastet als Linksverteidiger den Spielaufbau und setzt Impulse nach vorne. Gegen Hoffenheim war er der Spieler mit den meisten Ballkontakten auf dem Feld.

5. Das System könnte gegen die Bayern passen

Bevor Stöger in der Winterpause Zeit hat, den BVB taktisch weiterzuentwickeln, steht die Pokal-Achtelfinale gegen Bayern München an. In der Tabelle sind die Münchner der Liga enteilt. Doch zuletzt agierten sie ziemlich minimalistisch, gewannen dreimal in Folge 1:0. Sie haben derzeit große Mühe, sich hinter die gegnerische Abwehr zu kombinieren und leben selbst von ihrer defensiven Stabilität.

Angesichts dieser Ausgangslage ist ein Spektakel am Mittwochabend unwahrscheinlich. Stögers Elf könnte die großen Bayern mit der neu gewonnen Stabilität aber durchaus ärgern. Wenn sie ihre Konter besser ausspielen als gegen Hoffenheim, wäre sogar ein Überraschungssieg möglich – und das ganz ohne das typische Dortmunder Pressing.