Wie Peru mit himmlischem Beistand zur WM will

Jetzt hilft nur noch beten

Ausgerechnet vor dem Spiel des Jahrzehnts ist Kapitän Paolo Guerrero gesperrt: Peru will trotzdem zur WM und ruft vor den Play-off-Duellen gegen Neuseeland himmlische Mächte an.

imago

Innenverteidiger Miguel Araujo musste nicht lange überlegen: »Die Bitte ist immer die gleiche, die Qualifikation zur WM«, sagte der Abwehrspieler von Alianza Lima und der peruanischen Nationalmannschaft den wartenden Journalisten. Ein paar Tage ist es nun her, dass die Kicker des populärsten peruanischen Vereins bei der Prozession der Bruderschaft des »Senor de los Milagros«, dem »Herrn der Wunder«, teilgenommen haben. Das hat mittlerweile Tradition im erzkatholischen Peru. Diesmal war es allerdings etwas anders. Es ging nicht nur um die Wünsche für Alianza, sondern auch für »La Blanquirroja«. Die peruanischen Nationalspieler unter den Alianza-Kickern erweiterten also die Fußball-Gebete um diesen einen großen Wunsch. Es soll nach Russland gehen, zur WM. »Ich habe für den Glauben gebetet, der uns vereinen und stärker machen soll«, berichtete Araujo weiter.

 

Die Verbundenheit zur Bruderschaft des »Herrn der Wunder« drücken die Kicker von Alianza auch auf andere Weise aus. Den ganzen Oktober über trugen sie wie es üblich ist deren Farben Lila-Weiß. Die Verehrung hat einen ernsten Hintergrund und geht zurück auf ein Gemälde des gekreuzigten »Schwarzen Christus«. Es stammt der Überlieferung nach aus dem Jahr 1651 und wurde im Viertel Pachacamilla gefunden. Höchstwahrscheinlich wurde das Bildnis von einem aus Angola verschleppten Sklaven gemalt. Die Prozession zu Ehren des »Schwarzen Christus« am 18. Oktober ist ein riesiges Ereignis, die Kicker von Alianza Lima bringen ihm Blumengaben dar. Den vom Klub geposteten Clip dazu schauten sich über 70.000 Menschen im Netz an.

Rückstände von Kokain bei Guerrero?

 

Ein kleines Wunder kann Peru gut gebrauchen. Ausgerechnet vor den beiden Play-off-Spielen um die WM-Qualifikation gegen Neuseeland am Samstagmorgen und am kommenden Mittwoch in Lima kommt es knüppeldick für die Andenkicker. Paolo Guerrero, Tor-Garant und populärster Spieler der Nationalmannschaft, muss eine Doping-Sperre absitzen. Rückstände von Kokain sollen gefunden worden sein, Guerrero beteuert seine Unschuld und versucht alle juristischen Hebel in Bewegung zu setzen, um wenigstens am Mittwoch im Rückspiel dabei zu sein. »Ich wünsche ihm das Beste«, sagte Perus argentinischer Nationaltrainer Ricardo Gareca, der das ganze ohnmächtig mit ansehen muss. 

Zunächst einmal steht eine 30-Tage-Sperre im Raum, die dem Ex-Bayern und HSV-Profi die wohl wichtigsten Spiele in der Karriere kosten werden. »Es wird sich alles klären«, versprach Guerrero derweil am Donnerstag. Die Personalie Guerrero zwang Gareca bereits zum Umdenken: Der seit Monaten in seiner Heimat in Ungnade gefallene Claudio Pizarro wurde auf Abruf nominiert. Ein Indiz, dass sich der Neu-Kölner (39) im Falle einer erfolgreichen WM-Qualifikation noch Hoffnung auf einen Platz im peruanischen WM-Kader machen darf.