Wie Pep den BVB besiegte

Der neue Guardiola

Gegen Dortmund weicht Guardiola radikal von seiner Spielidee ab – und ist gerade deshalb erfolgreich. Wie hat er das gemacht?

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Es gibt Dinge im Leben, die gehören einfach zueinander. Ernie und Bert zum Beispiel. Oder Bratwurst und Bier. Lothar Matthäus und Eheschließungen. Und natürlich Pep Guardiola und der Ballbesitz. Seit Guardiola seine Trainerkarriere beim FC Barcelona begann, hieß das Motto stets: Ballbesitz, Ballbesitz, Ballbesitz.

Doch dann geschah am Samstag ein kleines Osterwunder. Pep Guardiolas Bayern mauerten – und Dortmund machte das Spiel! Spätestens nach der Pause war ersichtlich, dass die Bayern gar nicht den Ball wollten. Stattdessen setzten sie auf defensive Stabilität und auf Konter. Die Statistik weist für die Bayern einen Ballbesitzwert von 50% aus. Es ist der niedrigste Wert, den ein Guardiola-Team je verbuchte.

Dortmund setzt auf die alten Stärken

Schon die erste Halbzeit verlief nicht so, wie man es erwartet hätte. Der BVB setzt auf die altbekannten Mittel: Aggressives Pressing, schnelles Umschalten, direktes Spiel in die Spitze. Dortmund presste in einem 4-3-3-System, um gegen Bayerns Dreierkette in vorderster Linie eine Gleichzahl herzustellen. Dahinter lauerten drei Abfangjäger, die Bayerns Vertikalpässe abfangen sollten.

Die Dortmunder wollten das alte Spiel: Sie wollten pressen, laufen, jagen, während die Bayern sich mit ihrem Passspiel im kompakten Dortmunder Defensivnetz verheddern sollten. Und sie selber taten alles dafür, damit das gelang: Ihre Defensive stand kompakt wie lange nicht mehr, das Pressing funktionierte wie zu besten Zeiten.  

Dortmund spielt – die Bayern bolzen

Doch Guardiolas Team nahm die zugedachte Rolle nicht an. Guardiola setzte in seiner Startaufstellung überraschend auf Defensivspezialisten statt auf Ballkünstler. Thomas Müller und Robert Lewandowski waren die einzigen beiden Stürmer, dahinter baute sich ein tiefer Block aus acht Spielern auf. Im eigenen 5-3-2 war defensive Stabilität das oberste Gebot. Statt sich gegen das gegnerische Pressing durchzuspielen, wie man es von den Bayern gewohnt ist, setzten sie stattdessen auf halbhohe Pässe in die Spitze. Müller und Lewandowski ließen sich auf die Flügel fallen und lauerten dort auf lange Zuspiele aus der Abwehr.

Die Bayern wollten somit verhindern, dass Dortmund im Mittelfeld die Bälle erobert. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten gelang ihnen das sehr gut. Dortmund blockierte zwar das Aufbauspiel der Bayern, Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte gab es aber kaum. So war es ein zähes Spiel: Viel Kampf, viele längere Pässe, viele Fouls. Torraumszenen waren auf beiden Seiten Mangelware.