Wie Paderborn Wolfsburg einen Punkt abtrotzte

Der Albtraum für Traditionalisten

Wolfsburg gegen Paderborn - für Traditionalisten der Untergang des Fußballs. Ganz so schlimm war es aber gar nicht. Neutrale Fans konnten sich an der stürmischen zweiten Hälfte erfreuen – und Gegner des VfL Wolfsburg am unnötigen Punktverlust des Werkklubs.

imago

Es gibt Momente im Leben eines Fußball-Traditionalisten, da muss er ganz stark sein. Am Sonntagnachmittag war es wieder soweit. Nicht nur, dass die Bundesliga weiterhin Partien sonntags um 17:30 Uhr austrägt – nein, es traten auch noch zwei der weniger beliebten Klubs der Liga gegeneinander an. Auf der einen Seite die als »Plastikklub« verschrienen Wolfsburger, auf der anderen Seite Paderborn, eine Stadt, die die wenigsten auf einer Deutschlandkarte finden würden. Auf viele Fans dürfte die Partie Wolfsburg gegen Paderborn eine ähnliche Anziehungskraft wie eine Pfütze Matsch haben. Wer sich freimachen konnte von diesen Vorzeichen, kam hingegen in den Genuss einer Neuaufführung eines klassischen Fußball-Theaterstücks: David gegen Goliath.

Wolfsburg dominiert die erste Halbzeit

»Goliath« Wolfsburg stellte sich in der gewohnten 4-2-3-1-Aufstellung auf und setzte wie eh und je auf die eigene individuelle Stärke. »David« Paderborn schleuderte dem Favorit in der ersten Halbzeit ein 5-4-1-System entgegen. Die Marschrichtung war klar: hinten die Null halten und vorne einen Konter auf Stürmer Elias Kachunga durchstecken.

Paderborn agierte zunächst passiv und zog sich weit zurück. Doch mit dieser Ausrichtung fuhren sie nicht gut. Wolfsburg kontrollierte das Spiel mit Geduld und Ruhe. Der zurückfallende Luiz Gustavo baute die Angriffe aus der eigenen Hälfte auf. Immer wieder suchte er den Weg über die Flügel. Gerade auf der rechten Seite entfachte der VfL Wolfsburg viel Wirbel.

Wolfsburg kam dabei zugute, dass Paderborn auf den Flügeln alles andere als sattelfest verteidigte. Man müsste meinen, eine Fünferkette könne die ganze Breite des Feldes effektiv abdecken. Doch die drei Innenverteidiger hielten sich sehr zentral auf, sodass die Außenverteidiger oft ins Eins-gegen-Eins gehen mussten. Linksverteidiger Daniel Brückner war gegen Wolfsburgs rechte Seite allerdings hoffnungslos überfordert – er gewann gerade einmal zwei Zweikämpfe. Wolfsburg leitete von dieser Seite nicht nur mehrere Chancen, sondern auch die Führung ein. Zur Pause hätte der VfL locker mit zwei oder drei Toren Vorsprung führen können.

Systemumstellung bringt Paderkorn auf Kurs

Spätestens jetzt dürften die letzten Traditionalisten abgewunken haben. Zu erdrückend war die Dominanz der Wolfsburger, zu offensichtlich ihre körperliche und technische Überlegenheit. Doch nach der Pause stellten die Paderborner erneut unter Beweis, dass die zweite Halbzeit Paderborn-Halbzeit ist. Wären Fußballspiele nach 45 Minuten zu Ende, Paderborn wäre mit zehn Punkten und 4:13 Toren auf einem Abstiegsrang.