Wie Oliver Bierhoff ins Dilemma von Katar geriet

Wie sich Bierhoff in Katar äußerte

Zum Beispiel, dass das Unternehmen im 2017 veröffentlichten Garcia-Report als Scharnier zur Beeinflussung von Fifa-Exko-Mitgliedern benannt wurde. Weshalb die Aspire Academy ihr Engagement erheblich erweiterte in Nigeria und Thailand, der Heimatländer zweier Stimmberechtigten während der WM-Vergabe. Oder dass die Förderung von afrikanischen Fußballtalenten, die in Katar und Belgien spielen, vermutlich nicht allein aus Goodwill geschieht, sondern aus finanziellen und sportpolitischen Interessen. Oder dass der Internationale Gewerkschaftsbund bis zu 4.000 tote Wanderarbeiter beim Bau der WM-Stadien befürchte.

»Großartige Vision«

Oliver Bierhoff aber stand vor der Kamera des Gastgebers und verzichtete auf derart kritische Worte. Stattdessen zeigte er sich beeindruckt von den Einrichtungen, den internationalen Experten vor Ort, der Technologie und sowieso: »Es ist eine großartige Vision und Arbeit, die Aspire hier in verschiedenen Bereichen vorantreibt. So viel Platz, so viel Qualität.« Eine Minute und 50 Sekunden voller Euphemismen und Problemignoranz, die spontane Zahnschmerzen verursachten.

Nun könnte man Bierhoff zugute halten, dass eine Generalkritik am Gastgeber auf dessen eigenen Grund und Boden tatsächlich Courage erfordert hätte. Und dass der FC Bayern, der größte deutsche Klub, sich derzeit wiederholt vom katarischen Sponsor ins Wintertrainingslager locken lässt, während der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge die Probleme des Wüstenstaats als »Aufgabe der Politik« bezeichnete.

Welche Haltung entwickelt der DFB?

Fest steht aber auch, dass der DFB eben keine Aktiengesellschaft, sondern noch immer ein gemeinnütziger Verein ist. Dessen Mannschaft spätestens in vier Jahren erneut katarischen Boden betreten wird. Und bis dahin eine Haltung wird entwickeln müssen, wenn sie sich nicht dauerhaft im Bierhoffschen Dilemma befinden will.

>>> Hier geht es zum Video: twitter.com/aspirezone