Wie Österreichs 2. Liga gerettet wurde

Eine sportlich verfälschte Liga?

Der FAC spielt seit 2014 in der zweithöchsten Spielklasse und möchte in der neuen Liga nichts mit dem Abstieg zu tun haben – ganz im Gegenteil zu den letzten Jahren. Doch die Floridsdorfer können noch nicht abschätzen, in welche Richtung die Liga gehen wird. »Die neue zweite Liga wird mit Sicherheit noch viele Überraschungen mit sich bringen. Grundsätzlich ist es aber schwer abzuschätzen, wie sich die Liga sportlich und wirtschaftlich entwickeln wird. Ein sportliches Leistungsgefälle ist sehr gut möglich, da die vermeintlich großen Clubs der neuen zweiten Liga wohl alles in ihrer Macht stehende tun werden, um möglichst schnell in die Bundesliga aufzusteigen. Dennoch darf man nicht im Vorhinein davon ausgehen, dass die »Großen« automatisch die ersten Plätze belegen werden und die »Kleinen« sich ausschließlich um die unteren Plätze duellieren werden«, heißt es in einem Statement gegenüber 12terMann.at. 

Der FAC sieht im finanziellen Bereich jedenfalls Verbesserungsbedarf. »Vor allem was die finanzielle Unterstützung der Vereine seitens der Bundesliga angeht, ist die Situation – so wie sie jetzt ist – nicht zufriedenstellend. Da gibt es für die Vereine aktuell große Einbußen im Vergleich zur Saison 2017/18 und eine Nachbesserung in der/den Folgesaison/en wäre äußerst wünschenswert.«

Sportlich verfälschte Liga?

Die neue 2. Liga ist also nicht nur für die kleineren Vereine eine Herausforderung, sondern etwa auch für den FAC. Nach den letzten Jahren ist die Gefahr aber groß, dass die Premieren-Saison von finanziellen Problemen und im Worst-Case sogar von Konkursen und erneut von keinen sportlichen Absteigern begleitet wird. 

Kommende Saison spielen in der neuen 2. Liga mit dem FC Liefering (zweite Mannschaft von Red Bull Salzburg Anm.), FC LASK Juniors Oberösterreich, Austria Wien II und Wacker Innsbruck II gleich vier Amateurteams von österreichischen Bundesligisten. Eigentlich waren maximal drei Reserveteams vorgesehen, doch nachdem nicht nur Liefering, sondern auch die LASK Juniors OÖ aufgrund von Kooperationen offiziell als eigenständige Vereine geführt werden, ist diese Regelung übergangen worden. Die vier Amateurteams könnten damit in entscheidenden Schlüsselspielen auf erfahrene Spieler aus den ersten Mannschaften setzen und damit die Liga sportlich verfälschen.

Beim FAC Wien will man diese Tatsache aber nicht schon jetzt verteufeln. »Das Risiko besteht natürlich, aber die Bundesliga hat das so genehmigt. Insofern muss man abwarten, wie sich die Dinge diesbezüglich entwickeln. Mit Liefering hat man ja seit einigen Jahren ein ›Amateurteam‹ eines Bundesligisten in der Liga. Ob es eine große Verschiebung von Spielern der ersten Mannschaft zu den Amateuren geben wird, lässt sich schwer einschätzen«, so die Floridsdorfer. 

Nicht einzigartig

Sönke Niklas von Aufsteiger Horn sieht eher viele Vorteile. »Wir alle haben da die Möglichkeit, uns mit richtig guten Mannschaften zu messen, was doch sportlich gesehen eine tolle Herausforderung ist. Außerdem haben fast alle Zweitligisten auch wieder zweite Mannschaften, die in den Landes-, Gebiets-, Stadtligen etc. spielen, und die wichtig sind, um junge Spieler an die ersten Mannschaften heranzuführen.

Da sind wir ja mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert. Wir müssen also schon nach oben akzeptieren, was wir nach unten selbst verteidigen«, meint der Horner Geschäftsführer. Während in der 2. Deutschen Bundesliga zweite Mannschaften von Bundesligisten zurzeit undenkbar sind, haben in Österreich bereits bis 2010 Amateurteams in der zweithöchsten Spielklasse gespielt. Die Wiedereinführung in Österreich ist jedoch nicht einzigartig. In der Segunda Division, der zweithöchsten spanischen Spielklasse, spielen beispielsweise auch die Reserveteams vom FC Barcelona und vom FC Sevilla.