Wie Non-League-Team Dagenham seine Finanzen aufbessern will

One Night Coach

Der Dagenham & Redbridge FC hat Geldsorgen. Nun wird selbst der Platz auf der Trainerbank verramscht. Glücklicherweise kennen wir den perfekten Kandidaten.

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Manchmal sind es die kleinen Dinge im Fußball, die einen sehr glücklich machen. Mitte Oktober des vergangenen Jahres hatte ich so einen Moment. Ich war Gast beim East End Derby in London. So wird es genannt, wenn Dagenham & Redbridge auf Leyton Orient trifft. Trotz der Rivalität der Teams war es ein Spiel der langweiligen Sorte. Mitte der zweiten Hälfte, beim Stand von 0:0, streifte ich durchs Stadion.

In einer Ecke blieb ich kleben und beobachtete die Leute um mich herum. Und dann entdeckte ich diesen Jungen mit dem Notizbuch, der mich umgehend in meine eigene Kindheit zurückversetzte. Zehn, zwölf Jahre alt wird er vielleicht gewesen sein, seine Arme konnte er gerade so auf dem Wellenbrecher abstützen. Praktisch, denn so konnte er unentwegt in sein Heftchen kritzeln.

Ein kurzer Blick genügte, um zu sehen, was er da fleißig aufs Papier brachte. Der Junge führte eine Statistik übers Spiel, bei der jeder gelernte Sportreporter vor Neid erblassen würde. Seite um Seite schrieb er auf, was auf dem Spielfeld passierte, notierte jeden Eckball und jeden Einwurf. Nach 90 Minuten — ein Tor sollte nicht mehr fallen — vermerkte er den Abpfiff, klappte sein Heft zu, nahm seine Eltern an die Hand und zog von dannen. Zurück ließ er mich, ebenso verblüfft wie begeistert, dass es solche Kinder noch gibt: Nerdiger als Arnd Zeigler, penibler als »Zettel-Ewald« Lienen und dazu noch mit einem absolut irritierenden Lieblingsverein aus den Niederungen des Halbprofitums.

Ein maßgeschneiderter Posten

Warum diese Geschichte? Nun, es verhält sich so, dass der Dagenham & Redbridge FC jüngst eine Stelle ausgeschrieben hat, die wie maßgeschneidert für seinen jungen Edel-Fan zu sein scheint. Der Verein sucht nämlich einen neuen Trainer. Und wer wäre da besser geeignet als der ehrenamtliche Vereinsstatistiker, der vermutlich ohnehin jeden Laufweg der Spieler auswendig kennt.

Klar, der Junge wird ein wenig zu jung für den Trainerposten einer Herren-Mannschaft sein. Aber in Wahrheit sucht der Fünftligist auch nicht wirklich einen neuen Trainer. Das Team spielt eine durchschnittliche Saison und steht auf dem elften Platz im Niemandsland des Klassements. Kein Grund für Jubelsprünge, aber Coach John Still scheint eigentlich einen recht sicheren Arbeitsplatz zu haben.

Geld gegen Trainerjob

Wenn da nicht die Finanzknappheit der »Daggers« wäre. Bis zu 300.000 Pfund müssen sie bis Ende der Spielzeit aufbringen, um die Löcher im Etat zu stopfen. Obwohl wichtige Spieler schon verkauft wurden, sind aktuell nicht einmal die Gehälter des Vereinspersonals sicher. Da gilt es aktiv zu werden: Einiges Geld soll am 21. März durch ein Testspiel gegen West Ham United, den großen Nachbarn aus der Premier League, eingeworben werden.

Womit wir wieder beim Trainerposten wären. Dieser wird nämlich für eben jene Partie gegen die »Hammers« meistbietend verhökert. Jeden Tag wird ab sofort das aktuelle Höchstgebot auf der Homepage des Vereins veröffentlicht. Der größte Gönner steht Mitte März dann an der Seitenlinie und erhält laut Ankündigung ein personalisiertes Trainer-Outfit.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das nicht der Junge sein, den ich im Oktober entdeckte. Ich bin mir sicher: Er wäre die beste Besetzung. Falls aber ein reicher »Daggers«-Fan mit großem Herz sich auf die Suche nach dem Nachwuchs-Statistiker machen will — ich könnte ihm den Stammplatz verraten.