Wie Nedved seine Moral verfluchte

»Ich bin ein Arsch«

Weil er auf eine Schwalbe verzichtete, die Juventus Turin einen Elfmeter und wohl den Sieg gebracht hätte, geißelte sich Pavel Nedved unlängst als »Arsch«. Ein Selbsthass, der den Sittenverfall im Fußball entlarvt. Wie Nedved seine Moral verfluchteImago Wohin übermäßige Raffgier führt, beweisen uns derzeit nachdrücklich die Granden der Finanzwirtschaft . Fern jeder Vernunft trieb ihre Profitsucht etliche Banken in die ewigen Jagdgründe. Nun ist nicht überliefert, wie es um das ökonomische Verständnis von Pavel Nedved steht, die Moral einer »Heuschrecke« wies er aber jüngst eindrucksvoll nach.

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Anlässlich des 1:1 zwischen Juventus Turin und Lazio Rom ließ der Tscheche in Diensten der »Alten Dame« verlauten, er sei »ein Arsch«, da er auf eine Schwalbe und damit auf den möglicherweise siegbringenden Elfmeter verzichtete. Zweifellos ein ehrliches Statement und eigentlich hervorzuheben, dass Nedved auf diese Form des Betrugs verzichtete, seine Reue indes ist ein Zeugnis eines sehr fragwürdigen Fussball- und Fairnessverständnisses; eines Verständnisses, das dem Zweck die Mittel unterordnet.

Wahrscheinlich eine Zwangsläufigkeit, spielt Nedved ja schon seit 1996 im Land des Weltmeisters und hat im Laufe dieser Jahre gelernt, dass der italienische Weg zum Erfolg nicht der sauberste ist. Doch gerade als Spieler von Juventus Turin, einem Verein, dessen unsportliches Gebaren ihn kurzzeitig in die Zweitklassigkeit führte, verbietet sich eine solches Auftreten. Der italienische Rekordmeister und dessen Akteure sind geradezu verpflichtet, keine Schatten auf ihre sportliche Renaissance zu werfen.

Und: Wer will den Fussballer Pavel Nedved schon als »Heuschrecke« in Erinnerung behalten?