Wie Mario Götze seine Kritiker verstummen ließ

»Mario, ich habe es im Urin«

In der Pause der Verlängerung nahm Joachim Löw Mario Götze noch einmal zur Seite. »Zeige der ganzen Welt, dass du besser bist als Messi, dass du das Spiel entscheiden kannst«, sagte der Bundestrainer. Bei Miroslav Klose klang das später in der Mixed Zone sehr ähnlich. In der Verlängerung habe er gesagt: »Mario, ich habe es im Urin, dass du das Tor machst. Das ist Wahnsinn!«

Angesichts der Brillanz Messis bei diesem Turnier und auch im Finale müsste der Satz eigentlich auch Löw lächerlich vorgekommen sein, aber »ich hatte einfach ein gutes Gefühl«. Dieses Gefühl trog nicht. Sieben Minuten vor dem Ende schlug André Schürrle eine Flanke in den argentinischen Strafraum, Götze nahm das Zuspiel mit der Brust an, und noch ehe der Ball den Boden berührte, spitzelte Götze ihn an Torhüter Sergio Romero vorbei ins Tor. »Es ging alles so schnell. Dann waren auch die Mannschaftskollegen schon da. Es war eine Erlösung, ein befreiendes Gefühl. Das ist das, an was ich mich erinnere«, sagte Götze in der Retrospektive auf das wichtigste Tor seiner noch jungen Karriere.

Er denkt nicht nur an sich

Der Treffer war eine Kombination aus Kunst und Zielstrebigkeit, wie sie nur wenige Spieler beherrschen. Für Mario Götze aber war dieses Tor auch ein Treffer gegen die allgemeinen Vorbehalte, genauso wie sein Verhalten nach dem Spiel. Die ganze Zeit über trug er ein Nationaltrikot in der Hand, beim Jubeln auf dem Platz, beim Gang hoch zur Siegerehrung. Erst als die Mannschaft für das offizielle Siegerfoto posierte, hielt Götze das Trikot in die Kamera. Es hatte die Nummer 21 und trug den Namen von Marco Reus, der sich im letzten Testspiel vor der Weltmeisterschaft verletzt hat und dadurch gewissermaßen um den Titel gebracht worden war. Es stimmt einfach nicht, dass Mario Götze nur an sich denkt.