Wie man in Freiburg mit der Krise umgeht

Bleibt alles anders

Nur ein Tor und ein Punkt in den vergangenen sechs Spielen: Plötzlich steht der Sport-Club Freiburg auf dem Relegationsplatz. Wie es dazu kommen konnte und warum trotzdem niemand die Nerven verliert.

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Christian Streich und der Videoschiedsrichter haben viel miteinander gemeinsam. Bewusst ist ihnen das vermutlich nicht. Doch bei beiden weiß man eigentlich nie genau, wie sie in der nächsten Situation reagieren werden: Mal wird übertrieben und etwas zu beherzt eingegriffen, mal sich mit verschränkten Armen zurückgelehnt. Christian Streich ist nach seinem Gefühlsausbruch wegen der roten Karte für Nils Petersen auf Schalke und nach dem Halbzeit-Elfmeterpfiff in Mainz ruhig geworden. Will sich nicht mehr dazu äußern und die Dinge – damit meint er die aus seiner Sicht strittigen Schiedsrichterentscheidungen – über sich und die Mannschaft ergehen lassen.

Die sportliche Lage

Die aktuelle sportliche Situation ist gefährlich. Erstmals seit dem 15. Spieltag steht der Sport-Club wieder auf dem Relegationsplatz. Die Mannschaft hat seit sieben Spieltagen nicht mehr gewonnen und dabei nur zwei Tore geschossen und zwei Punkte geholt.

Für den Sport-Club ist es eine schwierige Saison. Durch den 7. Platz in der alten Spielzeit und den Dortmunder Pokalsieg rutschten die Freiburger in die Europa League Qualifikation. Bedeutet: Kurzer Urlaub, kurze Vorbereitung und zusätzliche Belastung. Die Abgänge in der Offensive schmerzten. Mit Vincenzo Grifo (9 Tore, 12 Vorlagen) und Maximilian Philipp (9 Tore, 5 Vorlagen) ging viel Torgefahr, aber auch Kreativität und Spielwitz verloren.

Und genau das fehlt der Mannschaft in dieser Saison. 26 Tore, die Hälfte davon allein von Nils Petersen. Nur der HSV hat noch weniger Tore geschossen. Florian Niederlechner, 12 Tore in der vergangenen Saison, fehlt der Mannschaft seit November mit einem Kniescheibenbruch. Mit Mike Frantz fehlt ebenfalls seit November ein weiterer Schlüsselspieler im Mittelfeld. Und Yoric Ravet, aus Bern gekommen um die Offensive zu verstärken, kämpft immer wieder mit kleineren Verletzungen und fehlt seit März mit einem Muskelfaserriss.

All das führt in dieser Saison zu einem für Freiburger Verhältnisse ungewöhnlichen Bild: Wenige Torchancen, wenige Einzelaktionen, stattdessen Abwehrriegel und hohe Bälle auf Zielspieler Petersen. Bis zum siebten Spieltag musste Freiburg auf den ersten Sieg warten. Bis zum 15. Spieltag auf den ersten – und bislang einzigen – Auswärtssieg.