Wie Lyons Fans das chinesische Fernsehen trollen

Free TV? Free Tibet!

Um möglichst viele chinesische Zuschauer vor den Fernseher zu locken, wurde die Ligue-1-Partie zwischen Olympique Lyon und dem FC Nantes früher angepfiffen. Doch das Bild, das die Fans in Fernost zum Anstoß zu sehen bekamen, dürfte nicht vielen von ihnen gefallen haben.

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Es läuft derzeit einfach nicht bei Olympique Lyon. Seit acht Pflichtspielen wartet die Mannschaft von Trainer Sylvinho auf einen Sieg. Und auch am Samstag gegen den FC Nantes gab es zuhause eine 0:1-Niederlage. Die sportliche Misere beim Tabellendritten der Vorsaison wirkt sich auch auf die Stimmung aus: Gegen Nantes waren auf den Tribünen des Parc OL deutliche Lücken zu erkennen. 

Das liegt jedoch offenbar nicht allein an den unzureichenden sportlichen Darbietungen. Auch die ungewöhnliche Anstoßzeit der Partie dürfte das Zuschauerinteresse in der Stadt nicht gerade befeuert haben. Anpfiff für das Spiel am Samstag war bereits um 13.30 Uhr. Die Kernanstoßzeit für die Begegnungen der Ligue 1 ist Samstag, 20 Uhr.

Eindeutige Botschaft

Die Ansetzung zur Mittagszeit sollte Medienberichten zufolge bezwecken, dass die Partie in China zur besten Sendezeit lief. Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte Didier Quillot, der Geschäftsführer der französischen Liga angekündigt, dem asiatischen Markt bei den Anstoßzeiten künftig mehr Aufmerksamkeit einzuräumen. Ab der kommenden Saison soll sogar jeden Sonntag ein Spiel bereits um 13 Uhr beginnen. 

Vielen französischen Fans, die um diese Uhrzeit lieber beim Mittagessen sitzen würden, schmeckt das gar nicht. Und so sendeten die Anhänger von Olympique Lyon pünktlich zur besten chinesischen Sendezeit eine eindeutige Botschaft nach Fernost: Zum Anpfiff der Partie verwandelten sie ihre Kurve mit roten, blauen, weißen und gelben Papptafeln in eine riesige tibetische Fahne. Dazu präsentierten sie ein Spruchband mit der eindeutigen Botschaft »Free Tibet« und solidarisierten sich so mit dem seit 1951 zu China gehörenden Gebiet im Himalaya, dessen Autonomie-Bestrebungen bis heute für einen Konflikt mit der chinesischen Regierung sorgen.

Dass Vertreter des Reichs der Mitte durchaus empfindlich auf explizite Positionierungen in der Tibet-Frage reagieren, weiß man auch in Deutschland. Gleich beim ersten einer Reihe von geplanten Freundschaftsspielen der chinesischen U20-Nationalmannschaften gegen die Klubs der Regionalliga Südwest im November 2017 hatte es Proteste mithilfe tibetischer Fahnen gegeben. Die chinesischen Spieler verließen daraufhin empört den Platz. Nur kurze Zeit später hatten der DFB und der chinesische Fußballverband ein Einsehen und erklärten die Freundschaftsspiel-Serie für beendet.

Bei den Millionen, die die Ligue 1 durch die Übertragung im chinesischen Fernsehen erlöst, dürfte es unwahrscheinlich sein, dass die Fans von Olympique Lyon mit ihrer Aktion einen ähnlichen Effekt erzielen. Doch sie kündigen bereits an, hartnäckig zu bleiben. In einem Statement der Ultragruppe »Bad Gones« heißt es: »Wenn der Anblick einiger tibetischer Flaggen die Liga und ihren neuen Sender unter der Kontrolle des chinesischen Staatsapparats ärgern kann, werden wir das gerne wiederholen.«