Wie Lucas Leiva bei Lazio Rom zum Spieler der Saison wurde

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Lazio Rom hat Lucas Leiva zum Spieler der Saison gekürt. Über 70 Prozent der Fans stimmten bei Twitter für den brasilianischen Sechser. Die meisten kamen aber nicht aus Rom.

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Der britische »Natural Environment Research Council« lud im Frühjahr 2016 dazu ein, Namensvorschläge für ein polares Forschungsschiff einzureichen und darüber abzustimmen. Lange vor Teilnahmeschluss zeichnete sich »Boaty McBoatface« als klarer Favorit der Internetgemeinde ab, mit großem Vorsprung vor »Poppy-Mai«, dem Namen eines krebskranken Mädchens. Es hätte eine Warnung sein sollen.

Lazio Rom hielt es nämlich für eine schöne Idee, die Fans per Twitter-Votum den Spieler der Saison wählen zu lassen. Als heiße Titelanwärter galten im Vorfeld der Abstimmung Toptorschütze Ciro Immobile, der wettbewerbsübergreifend 41 Treffer erzielt hat, und Mittelfeldbulle Sergej Milinkovic-Savic. Immerhin soll der Serbe im Sommer für einen dreistelligen Millionenbetrag auf die Insel wechseln.

»And the winner is.. Lucas Leiva?!«

Entsprechend ungläubig wird der Social-Media-Manager der »Laziali« den Namen gelesen haben, der über 70 Prozent der knapp 30.000 abgegebenen Stimmen eingeheimst hatte: Lucas Leiva. Nun hat der Brasilianer alles andere als eine schlechte Saison gespielt. Und vielleicht erfreut sich Lazio auch einer besonders taktikaffinen Fanszene, die den Wert eines guten Sechsers zu schätzen weiß.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Leivas Wahl zum Spieler des Jahres ein Geschenk aus der Vergangenheit ist. »Wenn die Liverpool-Fans von der Abstimmung Wind kriegen, steht der Gewinner sowieso schon fest«, wurde auf Twitter bereits unmittelbar nach dem Wahlaufruf gemutmaßt.

Zehn Jahre Anfield Road

Zehn Jahre spielte der brasilianische Blondschopf an der Anfield Road und ackerte sich dabei mit Bescheidenheit und Arbeitseifer in die Herzen von Fans und Mitspielern. »Jeder, der zu Liverpool kommt und nach einem Vorbild sucht, braucht nur auf Lucas Leiva zu schauen«, verdeutlichte Jordan Henderson, aktueller Liverpool-Kapitän, einst den Stellenwert des Brasilianers.

Allerdings ist der 31-Jährige nicht der Erste, der durch seine alte Fangemeinde zu zweifelhaften Ehren gelangt. Im Mai 2006 gewann Werder Bremen das Nordderby gegen den HSV mit 2:1 und verdrängte die Hanseaten damit am letzten Spieltag vom zweiten Tabellenplatz. So verpasste das Team von Thomas Doll die direkte Champions-League-Qualifikation. Auch weil Ailton, der inzwischen für Hamburg stürmte, zwei Minuten vor dem Bremer Siegtreffer das leere Tor verfehlt hatte.

Mehr Glück als Ailton

Als Zeichen ihrer »Dankbarkeit« unterwanderten die Werder-Anhänger die – ebenfalls online abgehaltene – Wahl zum HSV-Spieler des Jahres und katapultierten Ailton mit Tausenden von Stimmen auf die Spitzenposition. Sehr zum Missfallen der Hamburger.

Während die HSV-Verantwortlichen mangelndes Demokratieverständnis bewiesen und die Wahl für ungültig erklärten, durfte Lazios Spieler der Saison seinen Titel behalten. Artig bedankte der Gewählte sich anschließend »bei allen, die für mich gestimmt haben«. Dass darunter wahrscheinlich mehr Liverpool-Fans als Lazio-Fans waren, wird Lucas Leiva selbst am besten wissen.