Wie Lothar Matthäus in Kolumbien für die Bundesliga wirbt

Matthäus macht wie immer einen guten Job

Weil Matthäus in Südamerika mit Respekt begegnet wird, macht er wie immer, wenn der ehemalige Weltfußballer in diesem Teil der Welt unterwegs ist, einen guten Job. Hier muss er nicht gegen den Spott ankämpfen, der ihm bisweilen in Deutschland entgegenbracht wird. Nach gut drei Tagen ist Matthäus und damit die Bundesliga in nahezu allen Medien präsent. Das Interesse am deutschen Premium Produkt ist in Kolumbien ist seit der James-Verpflichtung enorm gestiegen.

Für die Bundesliga und den FC Bayern ist diese Entwicklung auf einem der größten südamerikanischen Märkte höchsterfreulich. Für die kolumbianische Liga aber ist das verheerend. Längst fressen die großen Ligen und großen Klubs die kleinen Ligen im Rest der Welt. Wie riesige Industrietrawler fischen die Europäer in fremden Gewässern. Ihr Zielpublikum ist exakt das, was am Samstag in Bogota zahlreich vertreten ist: Jung und zahlungskräftig. Kunden und Einnahmen, die dem lokalen Fußball damit entrissen werden und nach denen der unersättliche europäische Markt giert. Wie multinationale Rohstoffunternehmen, die in der Dritten Welt Öl und Gas fördern und damit gigantische Gewinne erwirtschaften, entreißt der europäische Fußball dem lateinamerikanischen Markt seine besten Spieler und erwirtschaftet damit seine Gewinne. Für den Heimatkontinent bleiben wie bei Öl und Gas nur ein paar Brosamen übrig. Und mit jeder Saison wird die Kluft größer. Andererseits: Macht die Bundesliga das Spiel nicht mit, überlässt sie den Markt kampflos den Ligen aus England oder Spanien. Eigentlich müsste die FIFA hier regulierend eingreifen, vielleicht aber sind diese neoliberalen Auswüchse auf Kosten der Kleinen aufgrund des weitgehend unregulierten Milliardenmarktes weltweilt längst ein Fall für die Welthandelsorganisation.

An diesem Tag spielen nur die Bayern nicht mit. Im Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach gibt es 1:2-Niederlage. Weil die rund 200 Bayern-Fans an diesem Tag nur einmal jubeln, erteilt die deutsche Delegationsleiterin dem offiziellen Produktionsteam einen bizarren Auftrag. Das hatte den Anschlusstreffer der Bayern und damit den einzigen Torjubel verpasst, weil es zeitgleich woanders drehte. Also mussten die Bayern-Fans für die Kameras noch einmal jubeln, auf Bestellung und auf Kommando. Gleich zweimal erfüllt plötzlich ohrenbetäubender Jubel den Kneipenraum, obwohl gar kein Tor mehr fällt. Authentisch ist das nicht. Aber darum geht es beim Werbefeldzug der Bundesliga sowieso nicht. Es geht um knallharte Marktanteile, Konkurrenz-Verdrängung und audiovisuelle Emotionen für Instagram und Facebook. Und spätestens seit dem Dieselabgasskandal wissen wir: Deutsche Unternehmen frisieren gerne mal etwas an der Wahrheit herum.