Wie Lothar Matthäus in Kolumbien für die Bundesliga wirbt

»I am the Ambassador«

Die Bundesliga schickt ihre »Legenden« zu Werbezwecken rund um den Globus. Lothar Matthäus warb in Kolumbien für das deutsche Premium Produkt. Wir waren in Bogota dabei.

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Für ihre Produktwerbung hat sich die Deutsche Fußball-Liga das teuerste Fleckchen Erde ausgesucht. In das Ausgehviertel »Zona T« in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota kommen in der Regel nur die Reichen und Schönen. Der Cappuccino kostet hier fast so viel wie der Tageslohn eines Kaffeepflückers weit draußen auf dem Land. Gastgeber sind laut Einladung TV-Rechteinhaber Fox Sports und die Bundesliga. Gemeinsam haben sie eines ihrer berühmtesten Zirkuspferde aus dem Stall geholt: Lothar Matthäus. Legendentour nennt das die Bundesliga, wenn ehemalige Stars rund um den Globus reisen, um den deutschen Fußball zu werben. Rund 200 geladene Fans sind gekommen, alle wollen in »Bogota Beer Company« das Bundesliga-Topspiel zwischen Gladbach und Bayern sehen - und natürlich Matthäus. In den Kneipen und Cafes drum herum läuft allerdings zeitgleich der Premier-League-Hit Liverpool – Chelsea. So viel zu den tatsächlichen Machtverhältnissen.

Der Weltmeister von 1990 ist in Südamerika gern gesehen. Und umgekehrt ist Matthäus anzumerken, dass er sich wohl fühlt auf dieser Bühne. »I am the Ambassador«, sagt er gleich mehrmals nicht ohne Stolz. »I am the Ambassador of the German Bundesliga.« Matthäus wird herumgereicht wie eine Trophäe. Er ist beim Sender Fox Sports zu Gast. Später folgen Radioauftritte, auch ein gemeinsames Essen mit Ex-Bayern-Profi Adolfo »El Tren« Valencia. Überall feiert er Kolumbiens Superstar James »als moderne Zehn«.

»Good Morning Colombia«

Solche Lobpreisungen des berühmtesten Sohnes des ganzen Landes hört man hier gern in den Anden. Dass Matthäus bei Twitter »Good Morning Columbia« schreibt, obwohl es eigentlich »Good Morning Colombia« heißt, geschenkt. Ein klassischer Gringo-Fehler. Dies nehmen ihm die Kolumbianer ebenso wenig übel, wie seine Vermutung, dass die kolumbianischen TV-Zuschauer das 4:4 im Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke am Samstagmorgen kolumbianischer Zeit sicher genossen hätten. Offenbar hatte ihm keiner der begleitenden Helfer gesteckt, dass die vertrackten Vertragsbedingungen mit den TV-Sendern den kolumbianischen TV-Zuschauern an diesem Morgen eben nicht das spektakuläre Derby, sondern die Spiele Frankfurt gegen Leverkusen und Leipzig gegen Bremen bescherten.

Auch ansonsten tut Matthäus das, was von einem bezahlten Produktmanager erwartet wird. »Der Spieltag ist Werbung für die Bundesliga, keine andere Liga der Welt ist bis zum Abpfiff so spannend«, erklärt Matthäus den kolumbianischen Journalisten. Und er stürzt sich in den Nahkampf: Fast drei Stunden steht er zur Verfügung, wartet geduldig bis jeder Fan sein Selfie-Foto, sein Autogramm hat und raunzt, seine Begleiter an, weil diese auch nach der dritten Aufforderung noch immer keine Gasse für die wartenden Fans organisieren.