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Wie Löw nach dem WM-Titel in ein Loch fiel

»Ich war einfach fertig«

Vor dem ersten Spiel seiner Mannschaft spricht Joachim Löw über die neue Spielergeneration, den Umgang mit seiner eigenen Popularität und warum ihm nach dem Titelgewinn 2014 die Power gefehlt hat.

imago

Er werde sich wohl nie daran gewöhnen, dass er immerzu beäugt und beobachtet wird, sagt Joachim Löw. »Du spürst die Blicke«, erzählt der Trainer von Fußball-Weltmeister Deutschland. »Was macht er, was tut er? Ich weiß nicht, ob man das lernen kann, dass man sich irgendwann so frei fühlt, dass einem das nichts mehr ausmacht.«

Nach fast zwölf Jahren im Amt des Bundestrainers hat Löw freilich längst für sich ein Konzept entwickelt, mit seiner Popularität und Bekanntheit umzugehen. Während im Trainingslager in Eppan (Südtirol) einige Nationalspieler den Sportplatz in Nobelkarossen mit verdunkelten Scheiben verlassen, lässt es sich Joachim Löw nicht nehmen, in der Kantine auf einen Espresso vorbeizuschauen. »Ich versuche, mich so normal wie möglich zu benehmen«, sagt der 58-Jährige.

Auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Wenn etwa daheim in Freiburg wildfremde Menschen an der Tür klingeln und nach Eintrittskarten für WM-Spiele fragen. Oder wenn er wie zuletzt in Eppan mit dem Fahrrad zum Trainingsplatz fährt und ihm die Fans zu Hunderten den Weg versperren. »Da sind so viele Leute auf mich zugesprungen. Ein Foto hier, ein Foto da. Wenn du da stehen bleibst, bist du verloren.«

Herr Löw, wie ist denn das Leben als öffentliche Person?
Es kommt immer darauf an, wo und wann ich gerade unterwegs bin. Ich lass' es mir zum Beispiel nicht nehmen, ins Kino zu gehen. Daheim in Freiburg ist es sowieso nicht so schlimm. Da kennen mich die Leute, und wahrscheinlich habe ich da inzwischen alle schon durch mit einem Foto.

Wann und wo wird's für Sie unangenehm?
In anderen Städten ist es schlimmer. Überhaupt auf Flughäfen und in Bahnhöfen. Da hast du keine Sekunde Ruhe. Wenn ich zum Beispiel im Zug sitze und es steigen Fans ein und die erkennen mich und singen ein Lied. Ehrlich, da würde ich manchmal am liebsten aus dem Fenster springen. Ich weiß, dass es nett gemeint ist, aber es nicht immer einfach für mich.

Sie besuchen in Eppan die öffentliche Kantine, Sie reagieren entspannt auf die letzten Testspielergebnisse. Ist das die Gelassenheit eines Weltmeisters?
Ich weiß mittlerweile genau, was mich erwartet und was auch so alles passieren kann bei einem großen Turnier. Du kannst vier Spiele gut sein und mit einem schlechten Tag, wenn irgendetwas vorfällt, bist du raus. Ich erinnere mich noch gut an die EM in Frankreich. An das Halbfinal-Aus gegen Frankreich. Der Schweini macht ein Handspiel, es gibt Elfmeter und dann ist es dahingegangen. Du kannst bei so einem langen Turnier nicht alles planen, du brauchst auch sehr viel Glück, um es bis ins Endspiel oder überhaupt zum Titel zu schaffen. Ich weiß, dass wir vor vier Jahren das Finale gegen Argentinien auch hätten verlieren können. Wenn Higuain das Tor macht, dann wäre vielleicht alles anders gekommen.

Er hat es nicht gemacht, und so sind Sie jetzt Weltmeister. Wie haben Sie diese Stunden des WM-Triumphes erlebt?
Am Anfang bist du voll aufgedreht und auch in einer wahnsinnigen Euphorie.