Wie Litti mich fast reich gemacht hätte

Beim Schlumpfanalysten

Ich aber war wie vom Donner gerührt: Ich – ja ich! – war im Besitz genau dieses Baseball-Schlumpfes! Sofort rief ich meine Mutter an: »Guck im Keller nach, ob der Baseball-Schlumpf noch da ist!« Ich hörte ihre Schritte auf der Treppe, Gewühle in einer Kiste, wieder Schritte. »Ja, ist noch da.« – »Schick ihn mir! Gleich morgen früh! Tschüs!« In der Nacht konnte ich kaum schlafen. Im Vorgefühl nahenden Reichtums. Und auch weil ich befürchtete, meine Mutter könnte denken, ich spielte wieder mit Schlümpfen.

Zu Besuch beim Schlumpfanalysten

36 Stunden später hielt ich den Baseball-Schlumpf in Händen und rannte umgehend in einen Laden in einem finsteren Hannoveraner Einkaufstunnel namens »Passerelle«, der mir aufgrund seines Sortiments (Rollenspielzubehör, Ritterfiguren, T-Shirts mit vor Monden heulenden Polarwölfen drauf) geeignet schien, um den von »Litti« aufgerufenen Wert des Baseball-Schlumpfs zu verifizieren. Der Mann hinterm Tresen, der offenbar in dem Ladengeschäft zu übernachten pflegte, sah mich aus gelben Augen an. Den Schlumpf würdigte er keines Blickes. »Du bist schon der Fünfte, der mit so ’nem Ding ankommt«, hustete er. »Die haben alle RTL geguckt. Ich geb’ dir ’n Zehner dafür. Maximum.«

36 Stunden lang hatte ich mich damals reich gewähnt, beschenkt von einem schlümpfesammelnden Weltmeister. Doch für einen mickrigen Zehner hätte ich wohl nicht einmal ein T-Shirt mit einem vorm Mond heulenden Polarwolf drauf bekommen. Ich behielt den Baseball-Schlumpf. Mein Sohn spielte bis vor kurzem damit, dann riss er vor Langeweile den Gummischläger ab. Es wäre nun billig zu sagen: Ich kann ihm keinen neuen kaufen, weil ich Fußballjournalist bin und kein Bundesligaprofi.

Aber ich will kein Mitleid.