Wie Leroy Sané zum größten Hype des Weltfußballs wurde

Das Versprechen

Leroy Sané ist nun der teuerste deutsche Spieler. Wir haben ihn im Frühjahr getroffen. Eine Geschichte über den Hype um ein unglaubliches Talent.

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Dies ist unsere Titelgeschichte über Leroy Sané aus der Ausgabe #172 - alle weiteren Infos gibt es hier.

Gerade als Leroy Sané das Bistro oberhalb des alten Parkstadions betritt, kommt mit meckerndem Lachen Chou-Chou um die Ecke. Chou-Chou ist Koch und spricht Deutsch, als müsse er in einer etwas schlichten Komödie den Chinesen geben. Dabei weiß niemand ganz genau, ob er überhaupt Chinese ist. Früher hat er mal für die Schalker Mannschaft gearbeitet und dabei die Anweisung von Felix Magath ignoriert, braunen Reis zu kochen. Auf dessen Beschwerde hin goss Chou-Chou braune Soße über den Reis und servierte ihn erneut. Schalkes Spieler mögen ihn nicht nur deshalb. »Hallo Chou-Chou«, ruft Leroy Sané dem lustigen Chinesen zu und winkt. Der winkt meckernd zurück: »Leroy, hehehe, 50 Millionen!« Worauf der junge Profi, für den Manchester City angeblich 50 Millionen Euro bezahlen würde, zu lachen beginnt. Was sich bei ihm so anhört, als würde er ganz schnell und laut »hähähä« sagen.

50 Millionen Euro Ablöse: Begräbt man ihn uner den Erwartungen?

Man könnte vermuten, dass diese Gaga-Szene in einer Lokalität, die auch noch Ess Null Vier heißt, das Drama des Leroy Sané als Farce zusammenfasst. Dass nämlich selbst einer lustigen Type wie Chou-Chou nur diese vermaledeite Zahl einfällt, wenn er den armen Youngster sieht: 50 Millionen! Man wäre deshalb gleich versucht, die Auswüchse des Fußballkapitalismus anzuprangern, mit ihrer ungebremsten Inflation der Zahlen und den obszönen Preisschildern für Menschen. Dann würde man noch die Warnung aussprechen, den armen Leroy Sané bitteschön nicht unter Erwartungen zu begraben. Doch, hähähä, in Wirklichkeit sieht die Sache anders aus.


(Bild: Jan Philip Welchering)

Wobei das mit den 50 Millionen Euro schon stimmt, zumindest ist es nicht unrealistisch. Schon jetzt bereitet sich die Bundesliga darauf vor, dass im kommenden Sommer noch mehr Fernsehgeld aus England für gesteigerte Hysterie sorgen wird. »Der Markt wird eskalieren, es wird absurd werden, absolut irre«, stöhnt ein erfahrener Manager, der nicht zitiert werden möchte, ins Telefon. Besorgt fragt er: »Wie soll der Junge diesem Strudel entkommen?« Doch schon jetzt steht fest: Er wird ihm nicht entkommen, um Leroy Sané ist längst ein Hype entstanden wie nie zuvor um einen deutschen Spieler seines Alters. Die Frage ist nur: Wird der Strudel ihn auch verschlucken?

Wie ein Popstar

»Ob ich 50 Millionen wert bin, weiß ich selbst nicht. Aber was soll ich machen?«, sagt Sané und lacht. Dieses Lachen ist nicht unwichtig, wenn man verstehen will, warum seinetwegen alle durchdrehen. Leroy Sané wäre auch als Sänger einer Boygroup eine gute Besetzung. Er lacht wie ein Popstar, von dem kleine Mädchen, aber auch ihre Mütter schwärmen können: freundlich, offen und strahlend. Gut aussehen tut er auch, der Junge mit dem Afro, der sein Gesicht umrahmt. Ungefragt schwärmt Schalkes Manager Horst Heldt vom Sixpack seines Offensivspielers und dessen »gutem Körper«. Trainer André Breitenreiter staunt: »Der braucht nur am Kraftraum vorbeizugehen und packt schon Muskeln drauf.«

Lachen hin, Muskeln her, ein offizielles Angebot für Leroy Sané ist bislang nicht bei Schalke 04 eingegangen und auch nicht bei Berater Jürgen Milewski. Weder von Manchester City noch vom FC Barcelona, von Real Madrid, den Bayern oder wem auch immer. Doch Heldt weiß: »Alle Topvereine wollen ihn mit aller Macht haben. Man gewinnt den Eindruck: Die ticken gerade ein Stück weit aus.« Also könnte es bald ein Wettbieten um Sané geben? »Genau!«, sagt der Manager. Wobei das einen völlig offenen Ausgang hätte, ohne Klauseln und Hintertüren. »Bei einem Deal im Sommer, so es ihn geben sollte, müssten alle Parteien zustimmen. Alles wäre frei verhandelbar, das macht es spannend, aber auch so kompliziert.«