Wie Leipzigs Kooperation mit Paderborn den Wettbewerb gefährdet

»Sie nutzen Graubereiche und Schlupflöcher«

Dass auch der SC Paderborn von dieser Zusammenarbeit profitieren kann, steht außer Frage. Schließlich bietet sich den Ostwestfalen auf diese Weise die Möglichkeit, Spieler zu verpflichten, die sie sonst wohl nie finanzieren könnten. So nennt die »Bild« etwa die Leipziger Angreifer Bruma und Jean-Kévin Augustin als Kandidaten für eine Leihe nach Paderborn. Beide spielten bei RB zuletzt kaum noch eine Rolle. Allein Augustins Marktwert ist laut »transfermarkt.de« mit 16 Millionen Euro jedoch schon fast genauso hoch wie der des gesamten Paderborner Kaders (16,85 Millionen Euro).

 

Verlockende Aussichten also für den Aufsteiger – dennoch müsste sich der SCP den Deal mit dem Brauseklub wohl teuer erkaufen. Denn Teile der Anhänger gehen gegen die Kooperation bereits auf die Barrikaden. In einer Stellungnahme droht die aktive Fanszene des Vereins damit, den Spielen der Profis fernzublieben, sollte die Zusammenarbeit mit RB Leipzig tatsächlich umgesetzt werden. » Wir wollen kein weiterer Teil in diesem kranken Spielerkarussell der RB-Clubs, noch ein Marketinginstrument für ein Brauseprodukt sein«, begründen die Fans die drastische Maßnahme. Zudem gefährde »eine umfassende Kooperation mit einem Ligakonkurrenten aus unserer Sicht den fairen Wettbewerb erheblich«.

 

»Die DFL ist in der Pflicht, für klare Verhältnisse zu sorgen«

 

Das sieht auch Paul Lambertz so. Der Anwalt ist spezialisiert auf Sportrecht und stellt sich auch die Frage, ob die vereinbarte Kooperation zwischen den beiden Klubs »lizenzrechtlich in Ordnung ist«. In der Satzung der DFL heißt es lediglich: »Lizenzvereine und Kapitalgesellschaften dürfen weder unmittelbar noch mittelbar an anderen Kapitalgesellschaften der Lizenzligen beteiligt sein.« Lambertz sieht die DFL in der Verantwortung, klare Regelungen zu schaffen, die bestimmen, ob die bekanntgegebene Kooperation bereits eine solche mittelbare Beteiligung ist und daher lizenzschädlich wäre..

 

Nach Lambertz Ansicht kann es durchaus zu Problemen bei der Lizenzvergabe führen, »wenn ein Klub dem anderen ständig Spieler zuschiebt«. Zudem wirft der Jurist ein: »Selbst ich, der ich kein Fußballromantiker bin, hätte gerne, dass 18 Mannschaften gegeneinander antreten und nicht 16 und die restlichen beiden haben einen Deal miteinander.«

Was passiert mit den Leihspielern?

Brisant auch die Frage, ob mögliche Leipziger Leihspieler bei Spielen von Paderborn gegen ihren Stammklub zum Einsatz kämen. In England und Spanien ist es ein ungeschriebenes Gesetz, ausgeliehene Akteure bei direkten Aufeinandertreffen der beteiligten Klubs außen vor zu lassen. Im vergangenen Januar durfte der von Hoffenheim an den SC Freiburg ausgeliehene Vincenzo Grifo bei der Partie gegen seinen Stammverein nicht mitwirken. Auch hier ist die DFL nach Lambertz’ Ansicht gefordert, transparente Regeln zu schaffen.

 

Fast ein wenig Respekt nötigt Lambertz hingegen die Chuzpe ab, mit der RB Leipzig in solchen Fragen vorgeht: »Die Leipziger Verantwortlichen werden das vorher genau geprüft haben. Sie nutzen vorhandene Graubereiche und Schlupflöcher in den DFL-Statuten aus. Als Jurist muss man eigentlich sogar den Hut davor ziehen, dass RB es bislang stets geschafft hat, exakt so zu agieren, dass niemand etwas dagegen unternehmen konnte oder unternehmen wollte. Ein Stück weit führt RB die Ligen und Verbände am Nasenring durch die Manege.«