Wie Lazio Rom mit seinen rassistischen Anhängern umgeht

Ein Haufen an Symbolik

Zwei Tage nach dem Vorfall im Stadio Olimpico legte Lazios Präsident Claudio Lotito einen Kranz vor die Tempio Maggiore di Roma – die große Synagoge Roms - und versprach jährlich mit 200 jungen Lazio-Anhängern Auschwitz zu besuchen. Um Vorfälle wie die vergangenen vorzubeugen und den Rassismus zu bekämpfen? Die eine Hälfte zweifelt daran, dass Claudio Lotito seinen Worten Taten folgen lässt. Die andere Hälfte daran, dass seine Aktionen etwas ändern.

Ob es Lazios Präsident so ernst mit dem Kampf des Rassismus ist, lässt sich in Frage stellen, denn: Einen Tag vor Lotitos symbolischen Akt veröffentlichte die römische Lokalzeitung Il Messaggero eine Tonsequenz. Claudio Lotito fordert darin gegenüber einem Mitarbeiter: »Lass uns dieses Theater hinter uns bringen!« Am Tag nach Lotitos symbolischem Akt fand man den Kranz übrigens auf dem Grund des Tibers.

Es bleibt beim Zeichen setzen

An diesem Tag stand auch die nächste sportliche Herausforderung für Lazio an. Wie der Trainer einen Tag zuvor, entschied sich auch die Mannschaft für eine symbolische Reaktion. Während des Aufwärmprogramms für das Spiel gegen La Bologna trugen die Spieler weiße T-Shirts mit dem Gesicht Anne Franks und dem italienischen Schriftzug »No All`Antisemitismo« (Nein zu Antisemitismus).

Zu dem verlas Senad Lulić, Kapitän Lazios, Textstellen aus dem Tagebuch Anne Franks. Für diese Maßnahme hatte sich der italienische Verband entschieden. So eröffneten auch in den anderen Stadien der Serie A die Kapitäne die Spiele mit einer Anne-Frank-Lesung.

Um dem Eklat von Lazio entgegenzuwirken, gedachte man der Opfer des Holocausts bis hinunter in den Amateur- und Jugendbereich mit einer Schweigeminute. Der dezimierte Teil der »Unbeugsamen« kam auch diesem Aufruf nicht nach und durchbrach die Stille mit faschistischem Gegröle. Lässt sich das auch falsch verstehen?

Alles auf Anfang

Reihenweise Klagen prominenter Leidtragender wie Ex-AS Rom-Profi Antonio Rüdiger, Kevin Constant oder Mario Balotelli zogen keinerlei Folgen nach sich. Obwohl die Tätergruppe bekannt ist und dutzende Kameras in den Stadien im Stande dazu sein müssten, die Vergehen Einzelner zu dokumentieren.

So hatten die Kameras beispielsweise aufgezeichnet, wer die Südkurve des Stadio Olimpico im Spiel gegen Sassuolo beschmiert zurückließ. Laut »Gazzetta dello Sport« unter anderem ein 13-jähriger Junge – die Zukunft des italienischen Fußballs?