Wie Lazio Rom mit seinen rassistischen Anhängern umgeht

Auf dem Silbertablett serviert

Die Entscheidung blieb nicht ohne Folgen. »Gli Irriducibili« nahmen die Strafe des Verbands und die Aufmerksamkeit des Vereins an und beklebten das feindliche Areal mit Bildern des im Holocaust ermordeten, jüdischen deutschen Mädchens Anne Frank im rot-gelben Trikot des Lokalrivalen.

Es ist weit mehr als eine Provokation in der Herzkammer des Erzfeindes. Die Ultras Lazios verunglimpfen das Andenken Anne Franks - ein Symbol für die Massenvernichtung Millionen von unschuldiger Juden im zweiten Weltkrieg. Anstatt wegen ihrer fremdenfeindlichen Rufe im Spiel gegen Sassuolo bestraft zu werden, konnten »Gli Irriducibili« ihrem Hass Nachdruck verleihen.


»Ganz wenige faule Äpfel«

Die Reaktionen darauf sind lauter als auf die rassistischen Rufe gegen Sassuolo und kommen aus verschiedenen Richtungen. Die Präsidentin der jüdischen Gemeinschaft Roms, Ruth Dureghello, fordert die Verbannung von Antisemitismus aus den Stadien und eine öffentliche Rassismus-Diskussion. Den ersten Schritt in diese Richtung könnte der Verein machen. Stattdessen reagiert Lazio verhalten.

Trainer und Kommunikationsdirektor spielen die Brisanz des Vorfalls herunter. Ersterer, Simone Inzaghi, spricht von nur »ganz wenigen faulen Äpfel.« Letzterer, Arturo Diaconale, beteuert, an der Aktion sei nur »ein ganz kleiner Teil der Fans beteiligt gewesen.« Er sehe das Image und die sportlich erfolgreiche Entwicklung des Vereins gefährdet, wenn man der Aktion zu viel Bedeutung beimäße. Die Verursacher des Übels, »Die Unbeugsamen« selbst, zeigen sich hingegen vom medialen Aufschrei verwundert. »Nichts an der Aktion war antisemitisch, sondern lediglich verspottend gegenüber dem Lokalrivalen gemeint. Wir distanzieren uns nicht von Dingen, die wir nicht getan haben. Wir sind falsch verstanden worden.« Ihre Täterrolle biegen die Unbeugsamen hin zur Opferrolle.