Wie Landon Donovan Trumps Mauer einriss

Warum Donovan seine Meinung sagt

Selbst wenn Landon Donovan (zuletzt bis Januar 2017 beim MLS-Klub L.A. Galaxy unter Vertrag und anschließend vereinslos), in Leon komplett floppen sollte: Sein Plädoyer für Respekt, Toleranz und gute Nachbarschaft war ganz großes Tennis und wird auf beiden Seiten der Grenze noch lange in Erinnerung bleiben. Entsprechend euphorisch wurde Donovans Auftritt in den Medien beider Länder kommentiert. Die mexikanische Tageszeitung »El Tiempo de Mexico« titelte dankbar: »Donovan verteidigt die Mexikaner gegen Trump«. »El Correo« verglich ihn gar mit einem Comic-Superhelden: »›Captain America‹ sorgt für Begeisterung im Stadion von Leon«. Und das US-Sportportal ESPN.com dichtete: »Landon Donovan erhielt Rockstar-Empfang für seine Botschaft«.

Philosophie und Bücher

Natürlich kann der Auftritt des früheren Nationalmannschafts-Kapitäns der USA nicht alles reparieren, was Trump mit seinen Fantasien von einer mehr als 3.000 Kilometer langen Betonmauer zwischen den USA und Mexiko kaputt gemacht hat. Doch Landon Donovan hat den Vereinigten Staaten im Nachbarland wieder ein anderes Gesicht gegeben als das eines zähnefletschenden Präsidenten mit gelben Haaren. Donovan, dieser kleine Kerl mit kanadischen und us-amerikanischen Wurzeln, galt schon immer als toleranter und weltoffener Mensch mit politischem Bewusstsein. Während seine früheren Teamkollegen beim FC Bayern vornehmlich über dicke Autos, schlanke Mädels und edle Armbanduhren philosophierten, las er lieber Nachrichtenmagazine oder gar – Bücher. Im Mannschaftskreis galt Donovan als ziemlich isoliert.

Jetzt ist er in Mexiko. Auf seiner vermutlich letzten Karriere-Station sieht sich Landon Donovan nicht bloß als Fußball-Gastarbeiter, sondern auch als Botschafter seines Heimatlandes. Folglich darf sich Donald Trump darauf einstellen, noch häufiger kritische Töne zum amerikanisch-mexikanischen Verhältnis von Donovan zu vernehmen. »Ich beziehe eben gern Stellung«, sagt der Familienvater, »im privaten Kreis, in den Medien oder in den sozialen Medien. Ich denke, es ist wichtig, eine Meinung zu artikulieren.«

Danke

Als Landon Donovan nach seiner Vorstellung in Leon das Stadioninnere verließ, war er plötzlich umringt von hunderten Mexikanern, die ihm nahe sein wollten. Viele, gerade jüngere Fans, wollten Selfies mit dem neuen Sympathieträger oder Autogramme. Manche aber wollten ihm einfach nur auf die Schulter klopfen und Danke sagen. Danke für seine warmen Worte in Zeiten der zunehmenden Kälte.