Wie Landon Donovan Trumps Mauer einriss

Der Botschafter

Sportlich ist er wohl über den Zenit hinaus. Doch was Landon Donovan bei seinem neuen Klub in Mexiko für die Völkerverständigung leistet, ist ganz großes Tennis.

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Durch das Estadio Nou Camp des mexikanischen Erstligisten Club Leon wehte ein Hauch von FC Barcelona: 7.000 frenetische Fans waren gekommen, um ihren neuen Superstar zu begrüßen – Landon Donovan. Der frühere Bundesliga-Legionär von Bayer Leverkusen und Bayern München erschien in Begleitung eines lustigen Löwen-Maskottchens, winkte freundlich ins Publikum und schoss brav eine paar bereitgelegte Bälle auf die Tribüne. Die Anhänger hielten große Ls (für Club Leon) und Ds (für Donovan) in die Höhe. Und bis hierhin wirkte alles, wie es war: inszeniert. Doch dann ergriff Landon Donovan das Mikrofon und bedankte sich für die Willkommenszeremonie – fast so, als plage ihn ein schlechtes Gewissen, weil er ja nun mal Amerikaner ist. Und weil Mexikaner in den Vereinigten Staaten, spätestens seit dem Amtsantritt von Donald Trump, so gar nicht willkommen sind.

Aufgewachsen mit Mexikaner und Latinos

Donovans Worte an die Leon-Fans waren wohlgesetzt. Und sie kamen hörbar von Herzen: »Ich bin in Südkalifornien aufgewachsen, ich habe täglich mit mexikanischen Kids gespielt und gesprochen. Das ist Teil meiner Seele«, erzählte der Offensivmann in fließendem Spanisch. »Auch wenn ich es als Teenager noch nicht so empfunden habe – aber ich habe schon immer anders Fußball gespielt als die meisten US-Amerikaner. Ich verstand nie, warum das so war, bis ich es analysierte und feststellte: Es lag daran, dass ich mit so vielen Mexikanern und Latinos aufgewachsen bin. Ich kannte einfach keine andere Art von Fußball als ihre.« Anerkennender Applaus von den Fans und zustimmendes Kopfnicken.

Doch Landon Donovan wollte offenbar noch mehr loswerden als eine Lobeshymne auf die hispanische Fußballkultur. Er wollte die Mauer einreißen, die Donald Trump seinen Wählern, aber auch vielen Mexikanern in die Köpfe und die Herzen gemauert hatte: »Ich weiß, dass die Mexikaner wunderbare Leute sind«, erklärte Donovan mit fester Stimme und ernstem Blick. »Und, wie ich schon mehrfach auf Twitter erklärt habe: Ich glaube nicht an Mauern, die Menschen trennen. Wir sollten stattdessen Freunde und Gefährten sein.« Jetzt explodierte die Arena vor Begeisterung. Die geschundene mexikanische Volksseele schien mit einem mal geheilt.

Nachhall der Botschaft

Natürlich vergaß Landon Donovan nicht zu erwähnen, dass er sich auf seinen neuen Klub und diese fantastischen Fans freue, dass er die mexikanische Liga schon immer geschätzt habe, dass er mit Club Leon so viele Trophäen wie möglich gewinnen wolle und dass Titel einfach Teil seiner DNA als Profi seien. Und dies und das. Doch das übliche Blabla eines Fußballers bei seinem Amtsantritt ging diesmal völlig unter – im Nachhall seiner politischen Botschaft.