Wie konnte Mainz in München gewinnen?

Schlafes Bayern

15 Heimspiele, 15 Siege. Bayerns Heimbilanz war in dieser Saison makellos – und dann kam Mainz 05. Erlebten wir gestern einen kriselnden FC Bayern oder war alles nur Pech?

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52 Siege, zwei Unentschieden, fünf Niederlagen. Bis zum gestrigen Abend war Pep Guardiolas Heimbilanz fast makellos. Von den fünf Niederlagen musste Bayern drei hinnehmen, als es für die Mannschaft um nichts mehr ging. In dieser Saison haben die Bayern bisher alle fünfzehn Heimspiele gewonnen. Und eigentlich war nicht davon auszugehen, dass das Team in den verbleibenden Spielen überhaupt mal einen Punkt lässt.

Nun hat der FSV Mainz 05 die Allianz Arena gestürmt. Völlig überraschend gewannen die Mainzer gegen Bayern München mit 2:1. Wie konnten die Mainzer diese Sensation schaffen? Werden Guardiolas Bayern nach drei Jahren plötzlich übermütig?

Mainzer Fünferkette

Die Mainzer gingen denselben Weg, den die meisten Bayern-Gegner gehen: Sie stockten ihre Abwehrkette auf. Trainer Martin Schmidt ließ seine Mainzer mit einer Fünferkette antreten. Aus einem 5-2-3-System heraus wollten seine Spieler den Münchenern Paroli bieten.

Mainz' System war aber keineswegs totaldefensiv. Die drei vorderen Akteure liefen die Bayern früh an, übten hohen Druck aus. Jairo Samperio und Christian Clemens starteten von den Flügeln aus ins Zentrum. Sie setzten Münchens Innenverteidiger unter Druck. Stürmer Yunus Malli wiederum ließ sich zurückfallen und verfolgte Münchens Sechser Arturo Vidal.

Auftritt der Münchener Flügelflitzer

Mainz' Formation war somit auf das Zentrum ausgerichtet. Mit den drei Angreifern sowie der Doppelsechs standen die Mainzer um den Mittelkreis sehr kompakt. Auf den Flügeln sollten die Außenverteidiger zunächst alleine gegen Münchens Flügelflitzer klarkommen.

Dies stellte sich schnell als schlechte Idee gegen Bayerns 4-3-3 heraus. Franck Ribery und Kingsley Coman postierten sich an der Seitenlinie. Sie lauerten auf Flügelverlagerungen. Ein langer Ball und schon waren die Flügelflitzer frei. Arjen Robben half als unterstützender Achter, die beiden Außenläufer freizuspielen. Immer wieder umspielten die Bayern das Mainzer Pressing über die Seiten. Nach zwanzig Minuten hätte es bereits 2:0 stehen müssen.

Mainzer Konterstärken

Erst als Samperio und Clemens verstärkt auf dem Flügel aushalfen, standen die Mainzer stabiler. Sie konnten nun zwar weniger Druck im Pressing ausüben. Die Bayern sammelten fortan Ballbesitz, konnten diesen gegen die kompakteren Mainzer aber nicht in Torchancen ummünzen.

Mainz wiederum setzte Nadelstiche. Ein langer Ball hier, ein schneller Konter da – immer wieder konnte sich der Underdog befreien. Konter sind ohnehin die größte Stärke der Mainzer. Die Abläufe stimmen, Mainz zieht das Spielfeld in die Breite und startet zugleich mit ein, zwei Spielern in die Tiefe. In dieser Hinsicht erinnern Schmidts Spieler an Favres Gladbacher in ihren besten Zeiten. Diese stürmten in der vergangenen Saison die Münchener Allianz Arena mit schnellem Konterfußball. Und auch Mainz ging nach einem Kontertor durch Samperio (26.) mit einer Führung in die Pause.